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Der Weg zum perfekten Landei

Tief aus den Erfahrungen meiner nordfriesischen Tage geschöpft, habe ich mal ein paar Punkte zum Thema Landleben zusammengestellt. Für Stadtpflanzen mit Umzugsabsichten oder einfach nur so. Letztendlich weiß ich noch nicht so genau, was das Landleben mit einem macht. Vermutlich entspannt es bei richtiger Anwendung.

1. Ganz wichtig: Du musst von der Stadt aufs Land ziehen, auch wenn dein Herz an dieser verdammten Stadt hängt. Halte mindestens ein paar Jahre am Stück auf dem Land aus, alles andere gilt nicht.

2. Merke dir, welche Autos deine Nachbarn fahren, auch wenn du überhaupt keinen Bezug zu Autos hast. Nur so erkennst du, wen du grüßen musst. Alternative: Grüße einfach jeden mit passendem Kreiskennzeichen. (Stress!)

3. Pflege gute Handwerkerkontakte. Ohne die Jungs kriegst du kein Bein vor die Tür und versäumst die besten Tipps für die Gegend.

4. Pflege gute Kuchen-Kontakte. Ohne die Café-Besitzer überlebst du kulinarisch nicht und versäumst die besten Tipps für die Gegend.

5. Schaffe dir eine Hängematte oder zwei an. Endlich hast du die passenden Bäume.

6. Arbeite im Sommer draußen. Alles andere macht keinen Sinn.

7. Dreh‘ nicht durch, wenn du plötzlich zwei verrückte Hunde an deiner Seite hast. Das ist eine ganz normale Entwicklung. Wenn du Glück hast, eignet sich einer davon als Alarmanlage.

8. Dreh‘ nicht durch, wenn sich weitere Tiere einfinden, das ist die ganz normale Entwicklung. Füttere und kraule sie, und sie halten dir uneingeladene Gäste wie Mäuse vom Hals.

9. Schrecke nicht davor zurück, zugezogenen Schwalben unter der Dachkante Platz für ihre Brut anzubieten. Sie machen zwar ein bisschen Dreck, sollen aber irgendwie Glück bringen.

10. Verfalle nicht in Panik, wenn deine Hunde einen Igel anbellen. Sie meinen es nur gut. Lenke sie ab und sorge so für Entspannung an der Front. Nicht-traumatisierte Igel sind ziemlich süß und fressen Schnecken.

11. Denke nicht, dein Mann spinnt, wenn er 40 Schlupfwespen im Internet bestellt. Er meint es nur gut, und die Dinger sind winzig. Möglicherweise helfen sie tatsächlich, der Invasion von Käferlarven im Haus etwas entgegenzusetzen.

12. Vertraue deinem Mann, wenn er vielfältige neue Hobbies wie Streichen, Pflanzkästenbasteln und Rasenmähen findet. Es sei denn, du willst, dass das Haus verrottet, ihr vom Supermarkt abhängig bleibt und euer Grundstück zur Brache wird.

13. Halte deinen Mann nicht für einen der Handwerker, selbst wenn er einen Schutzhelm trägt und durch neue Gerätschaften befremdend wirkt. Solche Verwechslungen können schlimme Folgen haben.

14. Versuche deinen Hund davon abzuhalten, den Postboten in irgendeiner Weise zu demotivieren. Auf dem Land kann ein gut funktionierender Informationsfluss Leben retten.

15. Bewahre Ruhe, selbst wenn du dich in drei Netze eingekauft hast und alle haken irgendwie. Du lebst schließlich nicht in Skandinavien, wo das Internet selbst im abgelegensten Bed & Breakfast reibungslos funktioniert.

16. Ziehe in Betracht, Hühner, Schafe etc. zu adoptieren. Sie runden das Bild ab und schaffen ein wenig Ablenkung vom schlechten Netz. (Advanced Landei!)

17. Lerne eine neue Fremdsprache in der Praxis: Scheue dich nicht davor, Schafen auf den Fennen in ihrem Slang zu antworten. Sie freuen sich über den interkulturellen Austausch und werden dich zukünftig wie einen alten Bekannten begrüßen. (Advanced Landei!)

18. Stoppe mitten auf der Landstraße und helfe, ausgebüchste Tiere wie Lämmer wieder einzufangen. Halte sie so lange in Schach, bis Fachleute auf der Bildfläche erscheinen, selbst wenn du dich bei der Aktion bis auf die Knochen blamierst. (Advanced Landei!)

19. Bleibe locker, wenn dir eine Kuh auf Weltreise begegnet. Kühe wissen meist, was sie tun. Oder erinnerst du dich nicht mehr an Yvonne, die ihrem Schicksal als Schlachtvieh entrann und nun mit ihren Kindern als Patchworkfamilie auf einem Gutshof lebt. (Avanced Landei!)

20. Entspanne dich beim nächtlichen Quaken der Frösche. Versuche keinen zu küssen, das ist eklig und bringt nichts als traumatisierte Tiere. Dein Prinz ist der, der mit dem komischen Schutzhelm heute versucht hat, der Brache Herr zu werden. Vergessen? Wenn du nicht sicher bist, frag‘ den Hund. Verwechslungen mit den Handwerkern können so weitgehend ausgeschlossen werden. (Funktioniert nur, wenn der Hund ein „Advanced Landei“ ist!)

Text und Foto: Elke Weiler

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30 Gedanken zu „Der Weg zum perfekten Landei“

    1. Cool, Simone! Das wusste ich gar nicht. Ich kann’s mir überhaupt nicht merken und verfahre daher nach dem Gießkannen-Prinzip. :-) Liebe Grüße und schönes Wochenende!!!

  1. Ich übe mich darin, meinen Hang zum Landei in der Stadt auszuleben, also quasi in der Diaspora, genannt Kleingarten – herrlich! Deine Regeln gelten da übrigens ungefähr genauso (mal abgesehen von Postboten und Haustieren.) Und das Kreischen habe ich mir sogar schon bei den Spinnen abgewöhnt, um bloß nicht meine leichte Phobie an die lieben Kleinen weiterzugeben.

  2. Einfach großartig mit hohem Widererkennungswert – wäre fast eine Idee für ein Buchprojekt!

    Meine Ergänzungen sind:

    21. Gerate nicht in Panik, wenn Du mit dem Auto mal wieder in deine ehemals geliebte Stadt fahren mußt! Einparken verlernt man nicht.

    22. Kauf‘ Dir richtig bequeme Gummistiefel. Mit trockenen Füßen macht da draußen alles mehr Spaß.

    Grüße vom Landei in Ausbildung (45 Jahre Großstadt, 8 Jahre Land)

    1. Danke, liebe Sabine! Sehr wichtige Ergänzungspunkte! Wobei ich festgestellt habe: ein Paar Gummistiefel reichen nicht. Zumal wir hier an der Küste immer dem Zersetzungsprozess durch Salzwasser ausgeliefert sind. :-) Und ja, an ein Buch habe ich auch schon gedacht! Stoff gibt es genug. :-D Liebe Grüße von der Nordsee! P.S.: Da lebst du schon länger auf dem Land als ich. Advanced Landei! ;-)

      1. Liebe Elke, das stimmt, ein paar Gummistiefel reichen nicht! Hier in NL trägt man gerne auch noch so eine Art Gummiclogs – ich muß da immer an Gartenzwerge denken. Mittlerweile hab‘ ich auch welche (Advanced Landei!) – in knallrot!

          1. Nein, liebe Elke, die durchlöcherten Clogs sind ja die schon fast laufstegfähigen durchdesignten international bekannten Crocs. Da sucht sich ja der Garten- und Wiesenmatsch durch die Löcher zielsicher den Weg zu den Füßen.

            Was ich meine findest Du unter dem Suchbegriff „tuinklompen“. Der Lieblingsladen dafür ist „Boerenbond“, so eine Art Raiffeisen-Kooperative. Die ideale Fundgrube für Landeier, die der Landlust frönen wollen :-)

          2. Sehr fesch, liebe Sabine. Habe mich gerade beim Klompenman umgesehen. Es gibt Fell- und Blumenmuster! Wobei mir die original Holzklompen damit besser gefallen. Am Niederrhein sagt man Klotschen. :-) Und auch die Skandinavier haben ihre Clogs, ich mag sehr gerne die aus Schweden, da habe ich eine Rainbootie-Version, kurze Gummistiefel mit leichtem Absatz für Sommertage mit Regen. ;-) Ein endloses Thema unter Landeiern. :-D
            Wo in Holland wohnst du denn?

  3. Uih, da erinnert mich so einiges daran, wie es ist, wenn ich meine Familie in Ostfriesland besuche. Total cool! Und super geschrieben. Ich hab gerade richtig Heimweh. *g*

    Liebe Grüße,
    Sabi

  4. Ich mag deine authentische und humorvolle Schreibart sehr! Und als Kind vom Land musste ich auch bei diesem Artikel wieder sehr schmunzeln!
    Das Gummistiefel-Argument kann ich nur bekräftigen! :-D
    Viele Grüße,
    Mara

    1. Danke, liebe Mara, das freut mich sehr! Als Kind hatte ich auch bereits Teilzeit-Landerfahrungen und habe Mistgeruch stark damit verbunden. :-D Außerdem Kaninchen, die leider nicht nur zum Streicheln da waren. Und Ponys! :-D

  5. Pingback: Das Leben als Landei im Winter | Nordfriesland

  6. Jetzt erst entdeckt, köstlich! Ich glaube, ich resümiere meinen Umzug aufs Land in ähnlichen Beobachtungen… mit mallorquinischem Flari. Danke für die Anregung.

  7. Pingback: Frühling für Landeier | Teil 3 des Landei-Guides von Meerblog

  8. Pingback: Unterwegs mit dem Seehundjäger auf Helgoland | Schleswig-Holstein

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