Frühling für Landeier

Ein weiterer Beitrag aus der beliebten Landei-Serie. Für alle, die ohne Bedenken aus der Stadt wegziehen wollen und sich nicht darüber im Klaren sind, dass ein solch fundamentaler Schritt nicht nur das gewohnte Leben komplett auf den Kopf stellt. Es verändert dich. Und zwar nicht nur in punkto Gummistiefel kontra Highheels.

Falls du den Basis-Beitrag „Der Weg zum perfekten Landei“ schon auswendig kennst und eifrig Teil 2 „Das perfekte Landei wirst du nie“ verinnerlicht hast, ahnst du wohlmöglich, dass nach dem Winter der Frühling kommt.

Es gibt Momente des Zweifelns. Ganz sicher kommt der Frühling in dem Moment, wenn du denkst, du wärst verrückt geworden, wenn der Winter noch einen Moment länger geblieben wäre. Wenn du das Meer wieder riechen kannst. Wenn die Schneeglöckchen ausgeblüht sind. Wenn der Marschboden von matschig auf weniger matschig umgestellt hat, und du überlegst, ob du es wagen kannst, Gummistiefel gegen Gummistiefeletten zu tauschen.

Gelb ist die Farbe des Frühlings

Auf dem Land, zumindest hier oben, wo man sich dazu entschieden hat, vom echten Norden zu reden, obwohl es weitere Abstufungen nach oben gibt wie Dänemark, Norwegen und natürlich den Nordpol, der, mit Verlaub, in jedem Fall als echter Norden zu bezeichnen wäre, also egal, hier oben läuft es mit dem Frühling ein bisschen anders. Da bist du heilfroh, wenn im April ein wenig Gelb zu sichten ist.

Narzissen. Nur sie sind die echten Frühlingsboten im echten Norden, vielleicht auch anderswo. Auf den Rest wie das Ergrünen der Bäume wartet und wartet und wartet man, bis die Natur dann allerorten explodiert. Aber davon sind wir Mitte April noch meilenweit entfernt. Auch wenn sich der Wetterfrosch manchmal irrt und in einem schwachen Moment einem Nordlicht zwei Sommertage schenkt.

Zweck dieses Grußes aus der Wetterküche scheint zu sein, die ersten Frösche zu hören, überall Bisame zu beobachten, die sich sonnen und dann hektisch in den Graben abtauchen, wenn man sich nähert. Überall Hasen in sämtliche Richtungen flitzen zu sehen. Denn Sonnentage sind Bunny Dance Days.

Schnell holst du Emilia, the Meerblog-Car, sowie die Gartenmöbel heraus, frühstückst in der Sonne und machst die erste Radtour. Noch bevor diese Andeutung von Sommer wieder vorüber ist, macht Emilia schlapp. Dann steht der Herbst erneut vor der Tür und zeigt gar winterliche Allüren.

Nun denkst du dir, ok, es ist ja April. Und frierst. Drinnen, draußen, überall. Blöderweise hast du deine Winterjacken schon aus der Garderobe verbannt. Nicht so die Schals und Mützen, die eh im Dauereinsatz sind. Nach drei Tagen mit reichlich Wind (Nicht-Nordfriesen würden von Sturm reden) geht dir die zischende Luft ein bisschen auf den Senkel.

Vor allem, wenn du am Deich wacker dagegen anrennst, die Landschaft vor tränenden Augen verschwimmt, und die Nase schneller läuft als du. Zwar weißt du nach acht Jahren in Nordfriesland, dass dieses Dagegenstemmen keinen Sinn macht. Aber leider funktioniert nicht alles wie in der Theorie.

Die harte Realität sieht folgendermaßen aus. Draußen heult der Wind, und das große Gassi steht an. Der Mann fragt: „Wo gehen wir hin?“ Wälder fallen aus, denn erstens gibt es kaum welche in Nordfriesland, und zweitens besteht dort die Gefahr von herabsausenden Ästen, die unsachgemäß auf dem Kopf landen.

Das Wissen der Schafe

Das flache Land fällt aus, weil der Wind dort ungebremst über die Fläche zieht. Bestimmte Ziele können ebenfalls nicht ins Auge gefasst werden, weil Hund Nr.1 ein Problem damit hat. Den Grund dafür kennt nur besagter Hund. Was bleibt? Genau, die Deiche. Hier besteht die Chance, je nach Windrichtung hinter dem Deich Schutz zu finden, so dass die flotte Luft wenigstens leicht abgeschwächt wird.

Übrigens eine Taktik, die wir uns von den sogenannten Deichschweinen abgeguckt haben. Die Schafe, die in Nordfriesland traditionell die Grasnarbe auf den Deichen kurz halten, sind im April auf ihre Positionen zurückgekehrt, nachdem sie den Winter auf den Fennen und in den Ställen verbracht haben. Jede Menge Lämmer bevölkern nun gemeinsam mit den Mutterschafen die Deiche.

Deine schafsähnlichen Hunde sind es mittlerweile gewohnt, von Lämmern mit Muttertieren verwechselt zu werden. Jedes Jahr überlegst du dir, wie es wäre, selber ein paar Schafe in der Doppelfunktion als Familienmitglieder und Rasenmäher zu engagieren. Aber zuerst die Hühner. Und davor das Gewächshaus, das ist das kommende Projekt.

Selbst ist das Landei

Selber bauen? Aus recycelten Materialien? Alle Möglichkeiten werden in Erwägung gezogen. Endlose Diskussionen, die so ausschließlich vom bereits erwähnten Typus Advanced Landei geführt werden. Zunächst muss der geeignete Ort bestimmt werden. Dann der Inhalt, dann die Art der Behausung und ein klimataugliches Material.

Du erfährst bei einer Leuchtturmbesichtigung, dass der ehemalige Wärter von Westerheversand für die vierköpfige Familie Gemüse auf der Warft angebaut hat, das ihn das ganze Jahr über ernährte. Ohne Gewächshaus? Na klar. Und zwar an einer recht zugigen Stelle, sozusagen dem Außenposten der Halbinsel.

Alle anderen Eiderstedter züchten in kleinen Gewächshäusern, und bald auch wir. Aber nicht nur! Rhabarber, Johannisbeeren, Äpfel, Pflaumen und Quitten gedeihen jedes Jahr ohne unser Zutun. Hinzu kommen eigene Beete, die wir neu angelegt haben mit Salat und Kräutern. Aber die Tomaten müssen ins Gewächshaus, sonst verabschieden sie sich mit dem ersten Windhauch.

Und welches Landei könnte ohne Tomaten leben? Nächsten Freitag soll übrigens wieder Sommer werden.

Text und Foto: Elke Weiler

  1. Hallo Elke!
    Dein Blog ist spitze!
    Ich vermisse nur einen Post über Tossens. Wir machen dort regelmäßig Urlaub und es gibt in der Region dort so viel zu sehen.

  2. Hihi, du hast ja so Recht!
    Ich erwarte täglich das Aufbrechen der ersten Narzisse in unserem Garten. Alles noch nackt wie immer….bis es explodiert.
    Liebe Grüße aus dem etwas höheren Norden,
    Marion

    • Danke, liebe Marion! Gerade tut sich ja eine ganze Menge, das wird schon! 😉 Liebe Grüße nach oben! Elke

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