Picknick im Winter

Vor ein paar Jahren war ich mit Mann und Hund für ein paar Tage im dänischen Søndervig. Wir haben in den Dünen gewohnt und unser erster Weg führte tagtäglich an den Strand. Es war Winter, und ich sah zwei Däninnen gemütlich auf einem Bunkerrest sitzen, dazwischen eine Kaffeekanne. Eine geniale Idee! Hygge am Strand.

An einem sonnigen, windstillen Wintertag beschließe ich, zur Hamburger Hallig zu fahren. Ente Emilia darf ihr Winterquartier verlassen. Das Rad aufgeladen, den Rucksack gepackt mit Thermoskanne und frisch gebackenem Marmorkuchen. Servietten und Tischdeckchen für ein Winter-Picknick mit Stil.

Nun muss ich nur noch den idealen Ort finden.

Der Wind macht eine Atempause, das Thermometer zeigt ein paar Grad plus. Es ist einer von diesen Momenten, eine Vorahnung. Weil die Luft schon nach Frühjahr riecht. Ich parke beim Amsinck-Haus, lade das Rad ab, schultere den Rucksack und strampele den Deich hinauf. Die Salzwiesen breiten sich im Nachmittagslicht aus, golden ihr Ton.

Golden bis dunstig.

Der Weg führt geradeaus zur Hamburger Hallig. Rechts und links ein verhaltenes Murmeln, Pfeifen, Zwitschern im Strandhafer, ausgebleicht vom Winter. Die Salzwiesen, wie ausgewaschen. Die Schafe grasen auf den Fennen im Inland, sie sind sicher hinterm Deich. Irgendwie, so scheint es, verharrt die Küstenwelt im Wartemodus. Oder bin ich es?

Niemand wohnt jetzt auf der Hamburger Hallig, kein Mensch, kein Schaf. Erst ab April kommt wieder Leben in die Bude. Ich genieße diese Ruhe des Winters. Niemand scheint sich heute außer mir zur Halligwarft zu verirren, die ich nach vier Kilometern erreiche. Die Türen des Hallig-Krogs sind verschlossen, keine Schafe ruhen wie im Sommer zwischen Autos auf dem Parkplatz, nach Schatten suchend.

Es herrscht Flut, eine leise Flut.

Von der Warft schaue ich zur schwach funkelnden Nordsee hinüber. Jetzt weiß ich sicher, das wird mein Platz. Dort am Meer, im Dunst, auf den Steinen der Böschung. Das Rad nehme ich mit bis zur Wasserkante. Weit und breit kein Mensch zu sehen, ich bin tatsächlich die Einzige hier. Der Horizont unsichtbar, verschluckt vom Dunst.

Das Glück ist in den kleinen Dingen.

Ganz sachte bewegt sich das Wasser hin und her, platscht kaum merklich gegen die Steine. In der Ruhe wirken all jene Geräusche nah und laut, die sonst untergehen. Vogelstimmen, ja, ein vielstimmiges Konzert. Wo sind sie, all diese Seevögel? So kräftig wirkt ihr Pfeifen und Rufen, wenn der Wind schweigt. Das ferne Motorengeräusch eines Kutters. Doch nichts ist zu sehen.

Der Dunstschleier kappt die Welt, der Himmel geht direkt ins Meer über. Reales rückt näher, Überflüssiges verschwindet. Am späten Nachmittag dringt die Sonne noch einmal durch den Dunst. Das Salzwiesengras leuchtet auf. Endlich etwas Licht und Farbe für diese blasse Welt. Ein Reiher schwingt hinauf, zieht in geringer Höhe über die Salzwiesen.

Wie groß er wirkt, wie langsam er fliegt, er scheint gleichsam in der Luft zu schweben.

Text und Fotos: Elke Weiler

Farbtupfer
Halligliebe
Ciao, Emilia!
  1. Hallo liebe Elke,
    hach, einfach traumhaft. Ich wünschte, wir würden so nah am Meer wohnen, dass ich mir einfach mein Fahrrad schnappen könnte, um zum Meer fahren zu können. Aber weil das nicht geht, hole ich mir meine kleinen Glücksmomente eben hier. Das geht ja auch im Ruhrgebiet. Nur auf die Idee, mir das so schön zu machen, bin ich noch nicht gekommen. Aber weil das bei dir so schön aussieht, nehme ich mir das jetzt auch vor. Sobald ich wieder gesund bin, mache ich das ebenfalls. 😉
    Liebe Grüße, Kathy

    • Liebe Kathy, danke dir! Ja, im Ruhrgebiet gibt es auch so schöne Ecken! Ich wollte darüber immer mal was schreiben, aber ich bleib letztendlich jedes Mal in Düsseldorf hängen, wenn ich in der Gegend bin. 😉 Werd schnell wieder gesund, ich bin schon auf die Story gespannt. 🙂 Gute Besserung und noch ein schönes Wochenende! LG, Elke

  2. Ob es halt einfach schön ist?

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