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Abschied und Neuanfang

Nach über 20 Jahren als Reisejournalistin und zehn davon mit eigenem Medium verabschiede ich mich zum Ende des Jahres aus der Branche. Zwar werden noch ein paar Reisebücher erscheinen, eines davon ist nicht einmal fertig geschrieben, doch widme ich die Zukunft der Fiktion. Darauf freue ich mich sehr.

Und doch ist es ein großer Schritt, aus dem Reiseleben auszuscheiden. Es fühlt sich ein bisschen so an, wie mit Tränen in den Augen an der Reling zu stehen und aus einem Hafen abzulegen. Doch es sind schöne Tränen. Satte, pralle, glückliche. Die Nomadenseele bleibt immer lebendig und findet neue Nahrung. Auf eine andere Art und Weise.

Ohne Zweifel, es waren turbulente Zeiten, manchmal verzweifelte, manchmal glückselige, aber immer Zeiten mit großer Inspiration. Üppig waren sie nie. Da waren die Reisen zu fantastischen Orten, Reisen mit wunderbaren Begegnungen und Erlebnissen. Mittendrin die Reisejournalistin und -bloggerin mit Herz und Seele. Die Phase der Abnabelung begann eher unmerklich, aber sie fing schon lange vor der Pandemie an. Mit gelegentlichen Zweifeln am System, das ich lebe. Doch ohne Ausblick auf eine wirkliche Alternative. Und die seltsame Frage: Würde ich es schaffen, nicht mehr viel zu reisen?

Mit der Pandemie kam es dann einfach, das abrupte Ende der Reisetätigkeiten. Darüberhinaus brachen Aufträge sowie nach und nach die Einnahmen weg. Und plötzlich war da … die Zeit. Ich konnte ein bereits angefangenes Manuskript aus der mehrjährigen Versenkung holen. Plötzlich hatte ich einen Plan. Und Muße. Die nicht lange darauf von einer unerwartet schnellen Zusage geradezu beflügelt wurde. Der Plan ging auf. Und mit ihm der erste Teil des Abschieds.

Ich träumte. Es waren seltsame Träume, die mit Pressereisen zu tun hatten. Doch entgegen der idealisierten Vorstellung vieler, wie genial das professionelle Reiseleben doch sein mag, hatten meine Träume mit Stress, Druck und organisatorischen Dingen zu tun. Mit viel zu wenig Zeit. Nichtsdestotrotz habe ich meinen Beruf der letzten 20 Jahre geliebt. Und über die Auszeichnungen der letzten fünf Jahre als beste deutschsprachige Reisebloggerin habe ich mich jedes Mal wahnsinnig gefreut.

Der beste Zeitpunkt für eine Veränderung also, und das aus vielerlei Sicht. Kann ich von Slow Travel reden, wenn ich doch selber oft schnell reise, was als beruflich Reisende kaum anders möglich ist? Mag ich noch Lust aufs Reisen machen, wenn die Klimakrise in immer erdrückenderer Art und Weise Form annimmt?

Bitte versteht mich nicht falsch. Reisen ist wichtig, Reisen tut gut, Reisen erweitert den Horizont.

Aber wenn Reisen zum Statussymbol wird, bin ich raus. Es beeindruckt mich nicht, wenn jemand schon überall gewesen ist. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, die kaum oder nie unterwegs waren. Es beeindruckt mich nicht, wenn ein Abenteurer einen schwierigen Berg besteigt oder eine ähnlich abwegige Herausforderung sucht. Und mir wird schlecht, wenn ich das Wort Weltraumtourismus höre.

Meine Hochachtung gilt allen, die versuchen, den Planeten noch zu retten. Egal, ob mit kleiner oder großer Geste. Egal, ob einmal oder ständig. Wir haben keine andere Chance, als es quasi auf den letzten Drücker zu versuchen.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten kann ich Reisen nun wieder Urlaub nennen, und dieser wird sich beschränken auf das, was mir möglich ist. Wichtig ist das Leben zu Hause. Die Pandemie hat mich gelernt, den Blickwinkel zu ändern. Vor allem aber ohne Reisen gut zu leben. Die erste Reise nach der „Abstinenz“ wie etwas Neues zu erleben, ja, regelrecht aus dem Rhythmus gekommen zu sein. Und jede weitere Reise als etwas Besonderes. Wieder Sehnsucht nach der Ferne zu haben.

Durch meine Vergangenheit sind mir viele Orte auf der Welt ganz nah, dafür bin ich dankbar. Wie überhaupt für fast alles, was ich in den letzten 20 Jahren erlebt habe. Dankbar den Menschen, die meinen Weg begleitet haben, auf die eine oder andere Weise. Ich hoffe, wir verlieren uns nicht aus den Augen. Aber wozu gibt es Social Media?! Und Urlaub für Besuche, wo auch immer in der Welt.

Ich bin dann mal weg aus der Reisebranche. Und danke allen, denen ich dort begegnet bin, für die schöne Zeit zusammen! Ich wünsche euch viel Glück beim Aufbruch in eine neue Zeit. Vielleicht träume ich mich manchmal auf die eine oder andere Reise zurück. Ganz gewiss. Aber für das, was die Zukunft bringt, brauche ich mehr Zeit vor Ort. Mehr Zeit für alles.

Meerblog bleibt bestehen. Er wird seine Ausrichtung ändern, wenn das Reisen nicht mehr im Vordergrund steht. Er wird zum Hobbyblog werden und einen kleinen Einblick hinter die Kulissen geben. Den Shop hingegen werde ich Ende des Jahres schließen. Meine zukünftigen Bücher findet ihr in den Buchhandlungen eures Vertrauens.

Macht es gut, bleibt gesund und lasst euch nicht unterkriegen, nie! Wir sehen uns!

Elke

CategoriesSlow Life
Elke

Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee und schreibt an den nächsten Büchern.

  1. Claudia says:

    Liebe Elke, ich erinnere mich sogar noch an die Anfänge von Meerblog :) Lieben Dank für Deine zahlreichen schönen Blogartikel. Deine Entscheidung ist nachvollziehbar. Ich freue mich darauf, bald eines Deiner Bücher in der Hand zu halten. Bacione auch von Jack ☺️

    1. Elke says:

      Liebe Claudia, die Anfänge waren stark von Julchen geprägt. :-) Danke dir! Und ich freue mich, wenn wir uns mal live treffen! Daran arbeite ich weiterhin. Bacioni auch von uns hier! (Und von Julchen an Jack ein besonderes! :-) )

  2. Lena says:

    Liebe Elke, alles Gute für diesen Schritt! (Genau da stehe ich auch gerade.) Das Bloggen hat sich so verändert in den Jahren. Das Reisen auch. Und ja, ob das alles eine Zukunft hat/haben sollte, ist fraglich. Schön jedenfalls, dass Meerblog bleibt.

    1. Liebe Elke,
      ich freue mich, dass Dein Blog weiter bestehen bleibt und Du ihn weiter füllst. Vor allem ist es Deine Art, die Welt zu sehen, die ich so mag. Und die ist ja unabhängig vom Reisen.
      Ich freue mich auf Deinen Neuanfang.

      Liebe Grüße und alles Gute
      Corinna

  3. Tarja says:

    Liebe Elke,
    alles Gute für deinen neuen Pläne.
    In manchen Sätzen finde ich mich selbst wieder.
    Es tut gut, sich nicht allein zu wissen.
    Alles Liebe, tarja

    1. Waltraud Antel-Linders says:

      Hallo Elke,

      vielen Dank für die vielen schönen Beiträge. Deine besondere Art zu schreiben habe ich immer schon bewundert :-)

      Alles Gute auf deinem neuen Weg – schön das der Blog erhalten bleibt.

      Liebe Grüße aus der „alten Heimat“
      Waltraud

      1. Elke says:

        Liebe Waltraud, ich freu mich so, von dir zu hören. Hoffe, es geht dir gut! Lieben Dank! Und melde dich, wenn du mal wieder unterwegs in Richtung Bredstedt bist! Das wäre doch super, wenn es beim nächsten Versuch klappen würde. Liebe Grüße, Elke

  4. Jürgen Duscha says:

    Liebe Elke, wir sind uns zwar nur einmal über den Weg gelaufen aber ich habe dich in guter Erinnerung. Ich kenne das mit einem Neuanfang, der andere Perspektiven im Leben eröffnet. Es gibt immer mal eine Zeit etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen. „Das Leben gehört den Lebendigen, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein.“ meinte schon Johann Wolfgang von Goethe. Ich wünsche dir eine schöne, für dich fruchbare, neue Zeit.

    1. Elke says:

      Lieber Jürgen, das freut mich, dass ich keinen allzu schlimmen Eindruck hinterlassen habe. ;-) Ja, Goethe wusste Bescheid. Der mochte auch mein Italien gut leiden. Ich danke dir und schicke ganz liebe Grüße von der Küste!

  5. Liebe Elke, ich habe immer sehr gern deine Reisen gelesen, mich in deinen Zeilen verloren, wunderbar von deinen Erlebnissen geträumt, bin eingetaucht in neue Welten. Du wirst mir mit Deinen Reiseberichten fehlen. Hoffe, du bleibst dem Schreiben aber irgendwie treu…
    Das wichtigste aber: alles Gute und viel Gesundheit für dich. Freue mich, wenn wir in Kontakt bleiben, warum gibt es sonst dieses soziale Internet ?

    1. Elke says:

      Liebe Tanja, wir bleiben in Kontakt! Danke für deine lieben Worte, ich freue mich über jedes einzelne. Es macht mir Mut, den Weg weiterzugehen, den ich mir nun ausgedacht habe. In Richtung Fiktion! Der erste Roman erscheint im Frühjahr, ich werde noch mehr darüber erzählen. Der zweite ist in der Mache. Bleib, wie du bist, liebe Tanja! Aber wie gesagt, wir sehen uns! Liebe Grüße!

  6. Martina says:

    Liebe Elke,

    was für eine mutige Entscheidung! Ich wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg für Deine neuen Herausforderungen und werde Deinem Meerblog trotzdem immer treu bleiben.

    Herzliche Grüße (auch von Raban und Charly)
    Martina

  7. Claudia says:

    Liebe Elke,

    was für ein Schritt, aber ich kann dich verstehen und wünsche dir von Herzen alles Gute für die Zukunft.

    Vielleicht sehen wir uns trotzdem bald mal wieder. Du bist jederzeit herzlich willkommen im Atelier.

    Alles Liebe,
    Claudia

  8. Steven says:

    Liebe Elke,
    mutiger und überlegter Schritt. Es ist schon interessant, dass vielen von uns oft die gleichen Gedanken durch den Kopf gehen. Habe ähnliches von vielen Kolleg*innen gehört. Viel Erfolg dir. Ich habe hier immer gerne gelesen!
    Liebe Grüße, Steven

    1. Elke says:

      Lieber Steven, ich danke dir! Und hoffe, dass du dabei bleibst! Tatsächlich kenne ich nur wenige Reisejournalisten, die aufgehört haben. Vielleicht hat man mal die Seiten gewechselt und ist zur PR gegangen oder umgekehrt, das schon. Es hieß immer: Einmal Reise, immer Reise. Wegen der Sucht, vermute ich. ;-) Liebe Grüße, Elke

  9. Liebe Elke,
    sehr schade, habe deine Reiseberichte immer sehr gerne gelesen. Nach Ute (Bravebird) auch noch du :( Kann aber den Schritt auch nachvollziehen. Ich hoffe, dass das neue Kapitel genauso spannend sein wird, wie die letzten Jahre. Alles Gute und Viele Grüße Katja.

  10. Margot says:

    Den Blog gerade entdeckt mit dem Wunsch, ein wenig virtuell zu reisen und ich lese den Abschiedsbeitrag. So verständlich wie traurig, einen Blog zu beenden, wenn es nicht mehr passt.

    1. Elke says:

      Liebe Margot,

      keine Sorge, Meerblog mit seinen über 1.000 Artikeln wird weiter bestehen. Und es wird ab und zu ein neuer Artikel hinzukommen. Was ich beende, ist meine hauptberufliche Tätigkeit als Reisejournalistin/-bloggerin, weil ich ab jetzt Romane schreiben will. Der erste Krimi erscheint im Februar, bald werde ich hier etwas mehr dazu schreiben.

      Liebe Grüße von der Küste,

      Elke

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