Sylt, Rantumer Becken

Ich vermisse es nicht. Pläne mache ich nicht. Gewisse Vorstellungen habe ich, das ja. Aber das ist und war immer so. Besser als Träume, würde der Realist sagen. Dabei bildet der Traum die Grundlage für eine Vorstellung, und diese für den konkreten Plan. Auch wenn der Plan sich zunächst als schwer realisierbar erweist, ist er doch längst mehr als ein Traum. Aber das nur am Rande.

Stimmt etwas nicht mit mir? Rundherum sieht es so aus, als würden alle das Reisen schwer vermissen, nur ich nicht. Vielleicht bin ich zu sehr im Hier und Jetzt verhaftet. Aber wenigstens Pläne für den Herbst könnte ich doch machen! Die Wahrscheinlichkeit, bis dahin geimpft zu sein, erscheint relativ hoch. Das reicht mir nicht.

Das Reisen fehlt dir bestimmt sehr? Du bist doch Reisebloggerin!

Bekannte, Verwandte, Freunde

Ok, ein bisschen. Doch es gibt tatsächlich vieles, was mir mehr fehlt. All die Freunde, Bekannte und Kollegen, die auf der Welt verteilt leben. Und all die, die ich noch nicht kennengelernt habe. Die Tiere, die ich noch nicht adoptiert habe. Die Bäume, die ich noch nicht gepflanzt habe. Die Bücher, die ich noch nicht geschrieben habe. Und das eine ganz frische, das noch nicht publiziert ist, weil es von der Abgabe des Manuskripts bis zum Erscheinen ein weiter Weg ist. Emilia. Der Duft von Sommer. Ein Kinobesuch. Ein Abend in der Pizzeria. Schwimmen.

Bester Reiseblog

Darf ich mich noch Reisebloggerin nennen, wenn mir das Reisen in Zeiten der Pandemie nicht abgeht? Gerade hat die Branche den zehn Jahre alten Meerblog zum fünften Mal in Folge zum besten deutschsprachigen Reiseblog gewählt. Das ist so unglaublich wie wunderbar, es gibt Kraft und frische Motivation, woraus sich neue Inspiration schöpft. Ich möchte allen danken, die mir diese Ehre zuteil werden lassen. Und allen, die Meerblog gerne lesen und vielleicht sogar unterstützen.

Fakt ist, dass ich im vergangenen Jahr nur wenig gereist bin.

Warum soll ich vom Reisen träumen, wenn ich doch weiß, dass es irgendwann wieder möglich sein wird? Ich mache jetzt noch keine Pläne. Die dafür notwendige Energie brauche ich derzeit für alles, was vor Ort passiert. Für meine Arbeit als Autorin. Für die kleinen Dinge, die Wunder. Für das Leben.

Wir haben zwei Entennester im Garten entdeckt, beide nah am Graben. Wir haben sie abgesichert, damit die Hunde ihnen nicht zu nah kommen können. Im letzten Jahr hat eine Ente bei uns in einer alten Weide genistet, doch leider war das Nest irgendwann leer. Nun drücken wir die Daumen. Wenn dieser hartnäckige Winter sich endlich verzieht, machen wir im Garten weiter mit den Pflanzungen. Das letzte Stück des im letzten Jahr begonnenen Projekts Chicken Hill konnte abgeschlossen werden! Ich hatte im Artikel „Die Zeit mit uns“ darüber berichtet. Hier werden Blumen en masse einziehen, kein Rasen. Außerdem wollen wir noch mehr Bäume und Sträucher pflanzen. Auch in den kommenden Jahren sollen weitere Reet- und Rasenflächen auf diese Weise umgestaltet werden. Ein bisschen wild muss es aber bleiben!

Das Leben danach

Diese Pandemie hat bislang so viel Leid gebracht hat. Weltweit sind fast drei Millionen Menschen gestorben, unzählige haben ihre Lebensgrundlage verloren, Firmen und Lokale mussten schließen. Gerade die Tourismusbranche zeigt sich stark gebeutelt. Auf der anderen Seite hat gerade diese ungewollte Beruhigung dafür gesorgt, dass sich die Umwelt regeneriert. Alle prangern den Massentourismus an. Und Venedig will endlich die Kreuzfahrtschiffe aus der Altstadt verbannen. Innenstädte setzen auf Radwege und ein reduziertes Tempo. Lebensräume werden zurückerobert, die zuvor vom Autoverkehr dominiert waren. Allerorts ist von mehr Nachhaltigkeit beim Reisen die Rede. Stellt sich die Branche wirklich neu auf?

Pflanzen, die am Wattenmeer leben
Die Dornige Hauhechel auf der Salzwiese

Die Pandemie macht etwas mit uns. Vielleicht macht sie uns stärker, beherzter, nachdenklicher, weniger konsumbesessen, umsichtiger, umweltfreundlicher, stiller. Vielleicht macht sie uns weniger egoistisch, und entfernt unser Weltbild vom Fokus auf uns selbst. Ich träume doch gerne. Und dann sehe ich die Vorstellungen und die Pläne.

Radfahren

Wenn man sich umschaut, auch ohne zu reisen, wird offensichtlich, wie die Welt sich verändert. Ich vermisse das Reisen nicht. Aber oft vermisse ich den Fortschritt. Schleswig-Holstein will sich in Zukunft als Fahrradland etablieren. Dafür gäbe es ohne große Investitionen gleich eine sehr wirksame Maßnahme: Runter mit den Geschwindigkeiten auf sämtlichen Landstraßen ohne Rad- und Fußgängerwege! Ich freue mich sehr, dass inzwischen so viele Leute aufs Rad umgestiegen sind, beziehungsweise es zumindest in ihrer Freizeit häufig herausholen.

Leider habe ich derzeit wegen der Bücher nicht so viel Zeit zum Bloggen. Doch werde ich mich in den kommenden Monaten hier thematisch aufs Radfahren, den Garten und Geschichten aus der näheren Umgebung konzentrieren. Wenn euch bestimmte Themen vorschweben, über die ihr hier gerne mal lesen würdet, immer her damit in den Kommentaren! Ich wünsche euch eine trotz allem erholsame Zeit, genießt die Ruhe, wenn ihr könnt, und versucht gesund zu bleiben!

Alles Liebe,

Elke

P.S.: Ich lese gerade ein wunderbares Buch, vielleicht kennt ihr es schon: „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben, ein wahrer Augenöffner. Übrigens vermisse ich den Wald. Sehr! Das Grün in den Städten. Doch es gibt neue Tendenzen. Interessiert euch das Thema? Ich habe nämlich etwas im Sinn…

Übrigens fühlte ich mich im Hinblick auf die DSVGO nun auch gezwungen, meinen Newsletter-Versender wechseln. Es erschien mir als sinnvollste Lösung, die bisherigen Daten komplett zu löschen und von vorne anzufangen. Der neue Versender hat seinen Sitz in Frankreich statt in den USA. Jede(r) alte und neue Abonnent:in ist herzlichst willkommen!

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Post vom Meer

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CategoriesSlow Life
Elke

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

  1. Daniela says:

    Liebe Frau Nachbarin,
    was für ein schöner differenzierter Artikel.
    Viele Menschen haben die Chance genau dies zu sehen …. die Umwelt regeneriert. die Menschen auch die Macher im Tourismus könnten den Massentourismus überdenken, sich neu ausrichten und gemeinsam neue Konzepte umsetzen und entwickeln. Ob dies passiert, lassen wir uns gerne überraschen.
    Ein lieber Wink Dani

  2. Kai says:

    Liebe Elke,
    heute ist unser neuer alte Bulli angekommen. Geht gleich in die Werkstatt. Irgendwann wird er wieder in neuem Glanz erscheinen. Uns geht es mit ihm weniger ums Reisen als ums Sein. An einem schönen Ort- einfach sein. Ohne Streß, ohne Druck die Welt teilhaben lassen zu müssen. Sondern Menschen begegnen zu dürfen. Genau solche Begegnungen sind unsere Erinnerungen. Zahlreiche Menschen, die wir für einen Moment getroffen haben, würden wir gerne wieder sehen. Und neue kennen lernen.

    In meiner Kindheit sind wir ausschließlich mit der Bahn in den Urlaub gefahren. Ganz gleich ob Italien oder Dänemark. Aber meine ersten eigenen Reisen- die waren tatsächlich mit dem Rad. Mit anderen Jugendlichen den Rhein entlang. Meine erste eigene Radtour ging in eine der ersten Jugendherbergen, im Duisburger Hafen. Irgendwann möchte ich mal wieder den Rhein entlang, ab in die Jugendherbergen und den Malzkaffee genießen….

    Und so ist es ebenso unser fester Vorsatz, mit dem Bulli weniger unterwegs zu sein, aber vielleicht dafür umso intensiver. Und ja, sollten wir leider absehbar uns von unserem Blondvieh verabschieden, dann freuen sich vor allem mein kleiner Sohn und ich auf eine lange Bahnreise in den Norden. Und ja, vielleicht bleibt auch Bodø wie gemunkelt wird nicht der nördlichste Punkt des norwegischen Schienennetzes.

    Pläne machen wir gerade auch keine- aber wir freuen uns darauf, wenn die Grenzen wieder aufgehen. Und wir unsere Verwandten in Schweden wieder sehen können. Und wenn ich dann vielleicht Dein neues Exemplar neugierig wie ich bin in den Händen halte.

    Ja, wenn es ein Thema gibt auf dass ich sehr neugierig bin, dann wären es tatsächlich Bahnreisen. Selten, dass ich nicht den Bahnhof oder die Station des Ortes besuche, in der ich gerade bin. Aber auch Deine Erfahrungen mit dem E-Auto in den Norden interessieren mich brennend. Denn vielleicht bekommt unser alter Bulli auch eines Tages einen neuen Antrieb. Einen, der der Umwelt wenig zumutet.

    Und ob Dein Reiseblog nun der beste ist oder der letzte- mir ganz gleich. Mir gefällt er:-)

    Lieber Gruß

    Kai

    p.s.
    Übermorgen wird es ernst…..

    1. Elke says:

      Lieber Kai,

      danke für so eine ausführliche Antwort und die netten Worte! :-)
      Coole Idee, das mit den Bahnreisen. Tatsächlich denke ich, dass sich das europäische Schienennetz in den nächsten Jahren noch verschönern, beziehungsweise schön erweitern wird!
      Bin aber auch gespannt auf euren Bulli.
      Welches Blondvieh? Geht es eurem Hund nicht gut?
      Alles Gute erst einmal für euer neues Leben in DK, das ist ja viel spannender als jede Reise. Vielleicht werdet ihr dort auch geimpft, bevor das in D passiert wäre.
      Mit dem Buch musst du dich aber noch ein wenig gedulden. ;-)
      Im Ernst, Malzkaffee? Krass. Aber klar, so ein paar Ideen hab ich auch im Hinterkopf, wenn es denn irgendwann zum Reisen kommt. :-D

      God flytning til Danmark! (Oder wie sagt man? Klingt ein bisschen wie Flucht. :-))

      Liebe Grüße, Elke

  3. Ingrid says:

    Das Fahrradfahren ist eine tolle Sache, dabei kommt man der Natur so nahe und schont die Umwelt. Für die Gesundheit tut man auch etwas dazu!

  4. Ulrike says:

    Das ist ein toller Artikel, der mir gut gefallen ist. Endlich mal was anderes, als das Gejammer darüber, dass man nicht reisen kann! Ich gratuliere zum „besten Reiseblog“! Auch ohne zu reisen bietet das Leben vor der eigenen Haustür sehe viel Schönes.
    Liebe Grüße
    Ulrike

    1. Elke says:

      Lieben Dank, Ulrike!

      Aber hätten wir das erwartet, dass uns das Reisen nicht fehlt? Ich dachte eher, ich werde es mit der Zeit schon vermissen. Und dass es da so eine Art Abhängigkeit gäbe, wie ich es vom Fliegen und dem Bordpersonal mal gehört hatte. Die Tatsache, dass ich mich schon über 20 Jahre in der Branche bewege, beziehungsweise nach einem Redaktionsjob auch unbedingt wieder zurück musste, spricht ja Bände. Aber ich glaube, da ging es mehr um die Freiheit als Freelancerin, die ich gegen die Sicherheit der festen Stelle tauschen wollte. Lange Zeit dachte ich, es gibt quasi keine Alternative als den Reisejob! Aber die gibt es immer.
      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

      Liebe Grüße, Elke

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