Ein tierischer Spaziergang auf Nordstrand

Die Sonne steht schräg über dem Alpaka-Höfle, als ich Nordstrand erreiche. Fast alle der zehn Alpakas sind im Stall versammelt. Ein Summen geht durch den Raum. „So verständigen sie sich in der freien Natur der Anden untereinander“, erklärt Diana Braam, Hüterin der Alpakas auf der Halbinsel. „Jetzt beschweren sie sich ein bisschen, weil sie trotz des schönen Wetters nicht draußen sein können.“ Das hat seinen Grund, denn gleich geht es auf einen Spaziergang mit Gästen, einer fünfköpfigen Familie und mir. 

Erst noch eine kleine Lektion in Sachen Wolle, die von Diana selbst sortiert, gewaschen, gesponnen und gezwirbelt wird. Aus dem Gehege rechts untermalt das gesellige Gequieke der Meerschweinchen Dianas Erklärungen. Das klingt wie Musik in meinen Ohren, habe ich doch selber lange Jahre mit Meerschweinchen zusammengelebt und in Arbeitspausen ihr aufregendes Sozialleben studiert.

Auf dem „Alpakahöfle“ leben neben den Paarhufern und Meerschweinchen noch ein Hund, drei Katzen und ein paar Kaninchen. Wir dürfen die Alpakawolle anfassen, geschorene und bereits verarbeitete. Schon manch ein Gast hat Wolle oder eine Mütze von seinem Lieblingskamel geordert. Denn Diana Braam strickt und häkelt auch selber. Und sie verarbeitet nicht nur die Wolle ihrer Alpakas, sondern auch Schafwolle aus Nordfriesland.

Nach der kleinen Lektion dürfen wir Gäste draußen warten, während Diana ein Alpaka nach dem anderen zu uns bringt. Jedem wird ein Tier von ihr zugewiesen, nur die Jüngste der Familie teilt sich ihres mit dem Papa. Die Alpaka-Karawane steht in den Startlöchern. Vorneweg die süße Snowy, von der Züchterin als Über-Mama bezeichnet. Der Rest im Gänsemarsch hinterher.

Franco ist nervös

Es könnte alles so schön sein. Doch Franco wirkte schon vor dem Start etwas nervös. Nun stört er die Performance, schert manchmal aus der Reihe und bleibt einfach stehen. Ausgerechnet! Franco wurde nämlich mir zugeteilt. Es scheint, als stimme die Chemie zwischen uns nicht. Daher beruhigt es mich, als Diana ihn übernimmt, und er sich zunächst genauso verhält. Es muss also ein anderer Grund für sein Verhalten her.

Diana hat mehrere mögliche Erklärungen parat. Vor allem weiß sie sich durchzusetzen, ich war wohl zu zaghaft. Gleichzeitig hat sie noch Hund Fizzle an der Leine, auch das funktioniert jetzt mit Franco.

Ich kann ein paar Fotos von der ungewöhnlichen Mensch-Tier-Kombination machen, die von anderen Spaziergängern und Radfahrern bewundert wird. Dann darf Franco mich erneut terrorisieren. Auch ich bin sensibel, bitte! „Er sorgt sich um seine Mädels“, meint Diana. Oder irritiert ihn meine Kamera? Es hilft dann auch nicht viel, als wir ihn die Gruppe anführen lassen. Das macht Snowy mit mehr Gelassenheit.

Alpakas auf dem Heimweg
In schönster Eintracht

In gemäßigtem Tempo geht es zum nahen Pharisäerhof. Diana erzählt unterwegs alles über ihre Wollknäuel, die sie gemeinsam mit ihrer Tochter auch selber schert. Für die empfindsamen Tiere lieber ganz behutsam mit der Schere, nicht mit der Maschine.

Gar nicht gespuckt

Beim Gehen sollten wir stets darauf achten, selber Ruhe auszustrahlen. Und bitte die Beine der Alpakas nicht zu berühren, was Angriff bedeuten würde. Auch eine vor die Beine schlenkernde Tasche könnte Verteidigungsreflexe auslösen. Es klappt alles wie am Schnürchen. Wir genießen das neue Gefühl mit fremden Wesen Seite an Seite zu laufen. Keiner wird angespuckt. Das passiert eher im Umgang der Tiere miteinander, etwa zur Regelung der Rangordnung, wie Diana uns verrät. Eine der meist gestellten Fragen rund um Alpakas oder Lamas, so scheint es.

Die Gruppe erfährt Näheres über die Familienverhältnisse und Vorlieben der Herde. Große Geschwisterliebe zwischen Franco und Calita. Ob das wohl der Grund für sein Verhalten ist? Vielleicht hat er sich Sorgen gemacht.

Während der Pause vor dem Hofladen am Pharisäerhof zeigt die Jüngste namens Isla ihr verspieltes Wesen. Sie freut sich, dass der kleinste Spross der Familie auf Augenhöhe mit ihr ist, immer wieder schnuppert sie an dem Mädchen. Isla ist zwei Jahre alt und hat die lustigste Stirnponyfrisur von allen. Während einige Zweibeiner Eis essen, rupfen die Alpakas rhythmisch am Gras.

Franco kommt endlich zur Ruhe, weiß er doch alle um sich versammelt und muss nicht Obacht geben. Ihn so zu sehen, umzingelt von den Anderen und endlich zufrieden, macht mich glücklich. Alpakas gelten nicht gerade als Kuscheltiere, dennoch lässt sich das eine oder andere vorsichtig streicheln. Vor allem beim Rasten nach dem Rückweg, den alle mit Bravour meistern. Vielleicht ein bisschen schneller als den Hinweg. Heimwärts eben. Grasen. Und vielleicht ein bisschen summen.

Text und Fotos: Elke Weiler

Ihr findet dieses Outdoor-Erlebnis neben vielen anderen in dem am 15. März 2022 im DUMONT Reiseverlag erschienenen Buch „52 kleine & große Eskapaden an der Nordsee in Schleswig-Holstein“.

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Die Spaziergänge finden ganzjährig bei schönem Wetter statt, denn Alpakas mögen keinen Regen. Reservieren könnt ihr direkt bei Diana Braam, am besten telefonisch, siehe Alpakahöfle.

Und noch ein Lesetipp: Schon mal mit einem Esel gewandert? Das geht zum Beispiel an der Schlei.

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Post vom Meer

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2 Kommentare zu “Vom Summen der Alpakas”

  1. Ach, das tut gut in diesen Zeiten. In meinem Kopf haben sich die Bilder einer Stadt verstetigt, in der ich vor Jahren gearbeitet habe.
    Da sind diese sanftmütigen Tiere so etwas wie ein Regenbogen. Freunde haben auch zwei auf ihrem Hof. Wenn man ihre riesigen Zähne sieht, mag man sich gar nicht vorstellen, was sie mit einer kleinen Kinderhand machen. Aber als unser Kleiner gerade mal laufen könnte, haben sie sanft und vorsichtig ihr Futter aus seiner Hand genommen.
    Liebe Grüße an die Nordsee.

    • Ja, die sind so putzig, das kann ich mir lebhaft vorstellen! Liebe Grüße an die Ostsee! Flausch hilft immer, meint die Psychoanalytikerin Mademoiselle Julie. :-)

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