W

Warmhörner Windbeutel

Warmhörn? Ein Kleinod, eine Ansammlung von Häusern, die zur Gemeinde Tetenbüll gehören. Nur ein paar Kilometer von Oldenswort und vom Wattenmeer entfernt, ist Warmhörn von Kögen umgeben – Land, das dem Meer durch Eindeichung und Entwässerung abgerungen wurde.

Als Warmhörner Hotspot gilt die Alte Schule. Im 19. Jahrhundert beschlossen die Familien der Reichen Reihe – die damals reichsten Bauern Eiderstedts hatten ihre Haubarge wie an einer Perlenschnur aufgereiht in die Landschaft bei Warmhörn gesetzt – eine Schule für ihre Kinder bauen.

1874 entstand der Backsteinbau im englischen Stil, damals en vogue, und stand allen Kindern von der ersten bis zur neunten Klasse zur Verfügung. Insgesamt profitierten 25 Gehöfte von der neuen Bildungseinrichtung.

Der hundert Jahre lang genutzte Klassenraum ist heute eine Art offenes Museum und Café, in dem man umgeben von original Klassenfotos, alten Griffeln, Tafeln und Schulbüchern, Kuchen und Deichpizza verspeisen kann. Gewiss am schönsten ist es, im Sommer draußen im bunt bepflanzten Pausenhof zu sitzen – mit Blick auf das saftgrüne Marschland, auf Schafe und Kühe. Un die hübschen Haubarge der Reichen Reihe.

Der Eis-Sahne-Turm

Im Sommer, wenn die große Lilienblüte einsetzt, bewundern die Gäste die Fülle an Arten, Farben und Formen der Zierpflanzen rundherum. Nicht wenige nehmen sich Ableger mit nach Hause. Die Chefin Tamara Binder gibt in diesen Fällen gerne Ratschläge mit auf den Weg.

Doch nun zum kulinarischen Teil, und gleich vorweg ein Tipp: Nur nicht allein zur Alten Schule zu fahren! Es sei denn, du bist mit einem Stück des außergewöhnlichen Bienenstichs nach Omas Rezeptur zufrieden. Oder mit einem warmen Mandelkuchen!

Du weißt, du brauchst Verstärkung.

Wer aber die berühmten Windbeutel – eine Kreation vom Küchenchef und Ehemann – ins Visier gefasst hat, wird zweifelsohne Verstärkung brauchen. Mindestens eine. XXL ist nämlich wörtlich gemeint, die Windbeutel haben Fußballgröße. Es sind Türme, Berge, Giganten ihrer Art. Zwischen dem aufgeschnittenen „Büddel des Jahres“ zum Beispiel häufen sich literweise Eis und Sahne, garniert mit Schokosoße und Bananen. Sehr lecker, sehr groß, sehr sättigend. Eben XXL in jeder Hinsicht.

Aber auch die Stücke der Wölkchentorte mit Früchten und einer Joghurtmasse entsprechen nicht unbedingt der Kuchennormgröße. „Der Chef ist ja auch groß“, heißt es schlicht zur Begründung. Smiley. Und angeblich lässt Mister Binder es am Wochenende mur schwer durchgehen, wenn der Teller nicht ordentlich leer gemacht wird. Nur Gerüchte.

Wir haben uns tapfer geschlagen und alles bis auf ein paar Sahneklekse verputzt. Beim Kaffee ist zwischen gepresstem, gefiltertem und den gängigen Milchmixen zu wählen; da ist für jeden etwas dabei, auch für die Tee- und Schokoladentrinker.

Im Klassenraum kann man nach der Schlemmerei als Andenken einen der schiefen Kaffeebecher erwerben und damit den Erhalt des Kulturdenkmals Alte Schule unterstützen.

Aktualisiert am 10. Mai 2017: Leider ist das Café geschlossen. Alternativ empfehle ich das Café am Theatrium in Tetenbüll mit hoher Kuchenkompetenz. Allein die Pannacotta-Torte! Aber auch beste Waffeln, Trümmertorte, Apfelkuchen etc. Oder einmal übers Eidersperrwerk nach Wesselburenerkoog fahren und die sahnig-leichten Kreationen im Koog Café genießen!

Text und Fotos: Elke Weiler

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, teile ihn oder unterstütze mich via PayPal – danke!
CategoriesNordfriesland
Elke

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

  1. Wolfgang says:

    Schöne Worte für einen schönen Ort. Wir waren, sind und werden immer gern dort einkehren.

    Im August an einem Freitag zum Lammessen haben wir schon reserviert.

  2. Gabi says:

    Das ist wirklich ein XXL Windbeutel. Bisher habe ich nur die kleinen gegessen, dieser sieht aber leckerer aus. da bekomme ich gleich Lust so einen Windbeutel zu verspeisen.

  3. Pingback:Sommer in Nordfriesland | Meerblog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.