Sommer in Nordfriesland

Das erste Mal im Jahr in die Nordsee zu hüpfen, darauf warte ich jedes Jahr. Ungeduldig. Einmal habe ich es an einem relativ warmen Apriltag versucht – unter den neugierigen Blicken einiger Spaziergänger in Jacken. Leider hat mir die Wassertemperatur dann doch die Freude am Anbaden verdorben. Manchmal klappt es schon im Mai, meist aber erst im Juni. Vor ein paar Tagen dann der magische Moment, jetzt oder nie! Als könntest du den Sommer in Nordfriesland durch das Anbaden einschalten.

Sylt Strand
Sylt geht immer.

Ich fahre mit Emilia ans Meer, zum Heimathafen am Tetenbüllspieker, fünf Minuten, dann über den Deich et voilà! Die Flut kommt früh, zu früh für mich, doch auch zwei Stunden später reicht der Wasserstand noch zum Schwimmen. Weit und breit bin ich gerade die Einzige, die bei 18 Grad Außentemperatur ins 16, 17 Grad kalte Wasser steigt.

Langsam gehe ich die Treppe hinunter, das Wasser reicht jetzt bis zur Hüfte. Ich tauche die Arme ein. Soll ich wirklich? Oder lieber nicht? Doch. Ich schwimme. Und schwimme. Als dann das Wetter etwas später noch einen drauf gibt, geht die Party erst richtig los. Bei 25 Grad Luft- und 18 Grad Wassertemperatur erreicht der Sommer in Nordfriesland seinen Höhepunkt, nun macht es richtig Spaß.

Schöner schwimmen.

Das echte Schwimmgefühl ist da, diese Leichtigkeit im Wasser. Ich bin nicht mehr Mensch, gehe nicht mehr auf zwei Beinen. Ich schwebe. Wellengleich. Der Wind bewegt die Oberfläche, der Himmel leuchtet knallblau, Einheimische wie Touristen bevölkern den Beach, steigen in die Fluten, manche sehr langsam und mit leicht verzerrtem Gesicht. In manchen Sommern knackt das Wasser sogar die 20-Grad-Marke, das sind dann quasi karibische Verhältnisse.

Meine Sommer-Tipps

Auch die Schafe kommen teilweise bis an den Strand. Allerdings gehen sie nie schwimmen. Man tut seinen Job, kümmert sich um die Grasnarbe auf dem Deich und chillt ein wenig unter der Rutsche des Kinderspielplatzes, der inzwischen Vergangenheit ist. Aber höchst sympathisch und recht gemütlich, die sogenannten Deichschweine.

Und hier meine ultimativen Tipps für den Sommer in Nordfriesland – in beliebiger Reihenfolge:

* Jeden Tag schwimmen.
* Mit Einheimischen schnacken.
* In SPO am Strand schaukeln, zum Beispiel in Böhl.

*Queller im Watt sammeln, in Butter schwenken und damit den Salat oder gebratenen Fisch krönen.
* Mit dem Rad die Deiche entlang strampeln, mal innen, mal außen.
* Den Sommer schmecken: Auf dem Himbeerhof in Vollerwiek in die Himbeeren gehen.

* Mal das Stand Up Paddeln in den Friedrichstädter Grachten ausprobieren.
* Die aus Strandgut erbauten Strandhütten auf dem Amrumer Kniepsand aufsuchen. In der Hängematte am „Strandhotel Kümmel“ schaukeln.

Sommer Nordfriesland im Strandkorb
Kuscheln im Korb

* Im Katinger Watt nach dem Eisvogel am Ringpriel Ausschau halten.
* Im Husumer Speicher abtanzen oder ein Konzert besuchen.
* Im Garten der Gardinger Tapas Bar schlemmen: Pimientos de Padrón etc.

Kuchen ist immer gut

* Mit dem Schiff ab Tönning über die Eider und zum Sperrwerk hinausfahren.
* Kuchen essen im Garten des Richardhofs in Sankt Peter-Böhl.
* Oder im Café Koog am Wesselburenerkoog. Ok, das ist schon Dithmarschen, aber wir Nordfriesen haben unsere Nachbarn lieb.

* Im August einen Abend im Tönninger Mondscheinkino verbringen.
* Im Husumer Hafen die Krabben frisch vom Kutter kaufen und selbst pulen.
* In den Friedrichstädter Grachten paddeln und sich nachher mit Waffeln in der Holländischen Stube belohnen.

* Durch die Gassen von Tetenbüll wandeln, dem Museum Haus Peters einen Besuch abstatten und im Anschluss Trümmertorte im „Café im Theatrium“ vertilgen. Am besten mit Erdbeeren!
* Sämtliche Strände der Halbinsel Eiderstedt ausprobieren und einen Lieblingsstrand wählen. Kennt ihr schon die Böhler Sommertrends?

Sommer in Nordfriesland
Lecker!

* Waffeln essen in der Strandhütte in Sankt Peter-Dorf mit Blick aufs Meer.
* Zum Sonnenuntergang auf den Deich setzen.
* Eine Wattwanderung machen. Barfuß bitte!
* Ohne Ausrede („Ich wollte eigentlich eine Wattwanderung machen!“) im Schlick suhlen. Sehr gesund, diese nordfriesische Taufe.

Date mit Schafen

* Eine Sandburg bauen. Möglichst am Strand.
* Kuchen essen im Schweizer Haus in Tating und nachher durch den Hochdorfer Garten lustwandeln.
* In der Schafskäserei Volquardsen in Tetenbüll um eine Audienz bei den Milchschafen bitten. Friesaki verköstigen.

* Einen Schiffsausflug zur Hallig Gröde zwischen Anfang Juli und Ende August unternehmen, wenn der Halligflieder blüht.
* Fischpfanne in der Seekiste in Sankt Peter-Böhl mit Blick aufs Meer schlemmen.

Schwarzkopfmöwe
Nach Möwen schauen.

* Durch die Husumer Gassen bummeln und mit einem Eis an den Hafen setzen.
* Mit Eseln wandern an der Schlei. Stimmt, das ist schon Schleswig. Aber was für Dithmarschen gilt, greift auch hier!
* Nachts dem Meer lauschen: Einmal in einem Schlafstrandkorb übernachten. Zum Beispiel auf Föhr.

* Auf Sylt das Wasserwandern ausprobieren.
* Schobüll besuchen – es handelt sich hier um die einzige deichfreie Stelle in Nordfriesland!
* Von Nordstrand aus mit der Kutsche übers Watt zur Hallig Südfall fahren.
* Mal eine längere Wattwanderung ausprobieren: vielleicht mit dem Postboten nach Süderoog?

Aufs Meer schauen. Den Wellen zuhören. Dem Wind lauschen. Den Sand streicheln. Muscheln sammeln. Einfach mal nichts tun. Das ist Sommer in Nordfriesland.

Text und Fotos: Elke Weiler

Weiterlesen in Buchform?

All diese Tipps und noch viel mehr findet ihr auch in meinem Buch „52 Eskapaden von Sankt Peter-Ording bis Sylt“, das 2018 im Dumont Reiseverlag erschienen ist.

Reportagen über den letzten Leuchtturmhever von Westerhever, die Krabbenfischer oder den sogenannten Seehundjäger findet ihr in „Leben am Wattenmeer“, ebenfalls in 2018 erschienen, Bruckmann Verlag.

Die 2020 erschienenen „Glücksorte in Nordfriesland“ (Droste) führen zu meinen 80 Lieblingsorten in der Region. Auch da steckt viel Sommer in Nordfriesland drin, aber nicht nur. Die Glücksorte findet ihr in eurer Buchhandlung oder in Meerblogs Book Shop – hier auf Wunsch mit Widmung.

Standardbild
Elke
Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

12 Kommentare

  1. Oh, tolle Liste. Eins davon habe ich gestern gemacht (Fischteller in der Seekiste). Und baden war ich auch. Das war einfach wunderbar. Und morgen soll´s ja noch wunderbarer werden. Und übermorgen. Und so weiter. Liebe Grüße, Stefanie

  2. „Immer irgendwie auf Sylt“ wäre schön :-) Aber bei Euch war´s genauso toll. Ich war allerdings nur Tagesgast. Genieß die Tage; Stefanie

    • Jetzt hab‘ ich’s! Hamburg!! Gute Lage für phänomenale Tagesausflüge und Kurztrips. Und jetzt gucke ich mal, was du für Hamburg und Umgebung so empfiehlst. ;-)

  3. Das sind super Tipps. Danke. :) Nächste Woche geht es los, Urlaub an der Nordsee. Ich werde bestimmt ein paar der Tipps befolgen. Schwimmen gehen und Strände erkunden sowieso. :D

    Lg aus Pircher Südtirol

  4. Hallo Elke,
    bei diesen tollen Tipps muss ich doch direkt mal in den Norden fahren! Das hört sich richtig super an!
    Liebe Grüße,
    Sabine

  5. Hallo! Komme gerade aus dem Urlaub in Meran und es war herrlich =) Wenn das Wetter in Deutschland so gut bleibt, steht einem kurzen Abstecher ins Nordfriesland nichts im Wege, würde dann mit Sicherheit den einen oder anderen Tipp aus deiner Liste befolgen =) Vielen Dank für den schönen Bericht und liebe Grüße

  6. […] Wirklich, ich kann gar nicht genug bekommen von St. Peter-Ording. Und ich finde, die meisten Leute (besonders wir) sind viel zu selten da. Vielleicht mal ausgenommen Elke vom Meerblog. Die Reisejournalistin und Bloggerin kann als Haus- und Hofchronistin von SPO gelten. Hier gehts zu ihren ultimativen Tipps für den Sommer in Nordfriesland. […]

  7. […] Hier ergeben sich problemlos Freundschaften fürs Leben, der Nähe sei dank. Aber ich habe zu tun. Anbaden bei 20 Grad Wassertemperatur – absoluter Luxus! Dann der Schnorcheltest mit der neuen […]

  8. […] Nordfriesland hat diese wüstenartigen Sandstrände wie in Sankt Peter oder auf Amrum. Es hat die Deiche und grünen Strände, die Inseln, Halbinseln und Halligen. Das Watt. […]

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