Nach dem Monsun zog der Herbst bei uns ein. Das hatte zwar den Vorteil von optimalen Temperaturen, doch …. Himmelschafundmeer! Wer hatte meine Pferde geklaut?

Bestimmt hatte der Schatten der Pferde sie eingesammelt, als ich mal kurz eingenickt oder unterwegs war. Bis auf ein paar Rabenzurechtweisungen hatte ich relativ wenig zu tun und überlegte, eine Jobanzeige aufzugeben.

Julchen, Enzo und die Zeitung

Vielleicht per Flaschenpost: „Suche Crew Purserette Position auf Kreuzfahrtschiff Richtung Südamerika!“ Es würde mir bestimmt Spaß machen, gutgelaunte Ferienlutscher professionell zu betreuen. Und Hotelerfahrung hatte ich bereits, da wir immer viel Besuch bekamen. Für das Unterhaltungsprogramm war ich in so einem Fall allein zuständig.

Aber mit diesem Besuch hatte ich im Traum nicht gerechnet: Ich war gerade mit Erpel Enzos Hilfe beim Zeitungsbearbeiten, als plötzlich mein nordfriesisches Schwesterherz wie wild vor der Tür wedelte. Alma mia! So lange waren wir uns nicht mehr um den Hals gefallen!

Sie hatte sich mächtig verändert: Die Süße ließ sich die Haare wachsen und sah schon fast aus wie Mama. Aber die Ohren hatte sie von Papa. Ganz klar. Darüber hinaus sie hatte sich zum Schluppelprofi entwickelt. Bei jeder Gelegenheit schleckte sie einen ab. Herzig!

Natürlich führte ich sie an meinen Lieblingsspielplatz: Da es weder regnete noch stürmte, konnte ich den Dockkoog so nennen. Während des Monsuns hatte es mich mehr nach Husum downtown gezogen, wo man sich wenigstens unterstellen konnte, wenn das Wasser die Pfoten überschwemmte.

Schließlich ist ein Beardie kein Fisch. Und über Schwimmflossen wie mein Freund Buddy verfügte ich auch nicht.

Alma kommt zu Besuch

Am Dockkoog konnte Alma ihre anfänglichen Hemmungen ablegen. (War ich mal wieder zu stürmisch gewesen?) Und wir tobten, tanzten und schwebten mit hasenähnlicher Leichtigkeit durch die Lüfte. Ich musste zugeben: Meine Schwester war der schnellste Hund Nordfrieslands!

Bislang hatte ich mich selber als Titelanwärterin gewähnt, denn kein Kollege konnte mich so leicht einholen. Doch Alma rannte, als hätte sie ein halbes Grillhuhn vor der Nase und konnte es nie erreichen.

Später gesellte sich auch noch ein gewisser Piet zu uns, der sich problemlos in die Gruppe eingliederte, da wir Schwestern ja ausgesprochene Sozialtiere sind. Futtermäßig orientierten Alma und ich uns um, denn ich konnte gar nicht genug von dem schwedischen Futter kriegen, das ihre Madame aus der Tasche zauberte.

Dafür bot ich mein komplettes Sitz-Platz-Komm-Programm dar. Während Alma ständig zu Monsieur hoppelte. Einmal brachte sie ihn doch tatsächlich fast zu Fall, wie sie so begeistert durch die Gegend bulldozerte. Dabei brauchte ich meinen Monsieur doch noch! Nicht zuletzt zwecks Futterbeschaffung.

Nun, der Mann war hart im Nehmen. Als er letztens mit meiner Wenigkeit auf dem Arm die Treppe hinuntersegelte, nahm ich ihm das nicht weiter übel. Ich war schließlich weich gefallen.

Jedenfalls hatten wir alle einen Mordsspaß am Dockkoog und fuhren danach zum Roten Haubarg, damit unsere Rudel etwas für die Figur tun konnten. Ich wusste natürlich, dass im Haubarg auch stets eine Kleinigkeit für unsereins heraussprang und freute mich über die gute Wahl.

Tanz der Beardies beim Roten Haubarg

Siehe da! Kaffeesahne auf dem Boden! Damit hatte ich nicht rechnen können, so eine exotische Delikatesse. Ich wollte gerade Kaffee und Kuchen dazu bestellen, als Monsieur mich mit einem Knabberohr abspeiste.

Alma hatte sich in ihre Gemächer zurückgezogen und regenerierte sich nach ihren weltmeisterlichen Sprints. Nächstes Mal würden wir uns vermutlich in Dagebüll oder Dänemark treffen, versprach man rudelseitens. Eventuell würden wir bald sogar Mama, Papa, Königin Mutti und die ganze Sippe besuchen! Das wäre eine Riesen-Hummelei!

Über die ganze Aufregung hatte ich fast Popeye vergessen. Wenn du das hier liest, mein Guter, versuch‘s einfach mal mit einem Telegramm! Denn vermutlich hast du die Flasche mit der Post nicht richtig zugemacht, und sie ist schlichtweg abgesoffen. Ich bin übrigens wie jeder zivilisierte Hund auch per Email zu erreichen!!!

Text: Julchen (nach Diktat Madame vom PC verdrängt)
Fotos: Elke Weiler

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CategoriesNordsee
Julchen

Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Nach langer Zeit hat Julchen sich nun wieder verlobt – ausgerechnet mit Jack, einem Border Collie aus dem fernen Apulien. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

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