F

Flupsfrösche und Liebe

Rülpsend lief ich über den Deich. Zu meiner Freude hatte jemand einen Rest Döner mit Pommes am Straßenrand entsorgt, und die Putzkolonne Julchen sorgte umgehend für Sauberkeit und sinnvolle Weiterverwertung.

Genau genommen lag das Zeug schon ein paar Tage da, doch Madame et Monsieur hatten mich bislang nicht herangelassen. Nun war ich allein unterwegs, beziehungsweise offline, und konnte schalten und walten. Ein Julchen braucht seine Freiheit wie den Parmesan.

Der Dicke hatte weniger Glück, er joggte mit Madame über den Deich. Also hatte ich Zeit. Als Madame sich umdrehte, hatte ich mich fast bis zum ersten Pommes vorgearbeitet. Was mussten diese Fastfoodlutscher ihre Reste auch so zusammenknüllen? Man kam ja kaum heran.

Madame bemerkte ihren „Fehler“ und kam im Eilschritt auf mich und den Döner zu. Wollte sie etwa auch… ? Ha! Geflissentlich überhörte ich sämtliche Warnungen, da entriss sie mir die Delikatesse doch tatsächlich. Mit roher Gewalt.

Es flupsen die Frösche vor Julchens Nase.

Ich kramte im Gedächtnis nach der Nummer vom Tierschutz und formulierte schon mal eine Petition „Döner für alle“ zur Vorlage in Brüssel. Doch Madame setzte sich erst mal durch, noch bevor ich weitere Maßnahmen ergreifen konnte.

Jedenfalls hatte ich mir die Stelle entsprechend gemerkt, mein Ortsgedächtnis funktionierte top. Wir liefen noch ein bisschen zu unseren Freunden, den Kühen, und Janni freute sich wie ein Flummi. Er mochte sie wirklich und verwandelte sich jedes verrückte Mal in die Spezies „Gemeiner Hüpfbeardie“.

Ich wunderte mich über die vielen kleinen Flupsfrösche, die unermüdlich über unsere Fenne hüpften. Es schien sich um eine wahre Bevölkerungsexplosion zu handeln. Kam man nichtsahnend des Weges, flupsten sie nach links und rechts weg und mir nicht selten vor die Nougatnase. Ein Fall von Kollateralschaden bei intensivem Schnüffeln.

Kopfüber ins Gras: eine Herrlichkeit!

Nach dem Toben liebte ich es, mich im kühlen Gras zu wälzen oder in der Abendsonne zu liegen, während der Wind durch das meterhohe Reet rauschte. Mit einer Art Köpper tauchte ich ins dichte Grün ein und rollte mich genießerisch hin und her.

Überhaupt hatte jeder seine eigene Beziehung zu den Marschwiesen. Madame et Monsieur rupften Gras und Kräuter, damit die Rennplüsche auch auf ihre Kosten kamen. Die Fellklöpse waren nämlich verrückt nach Löwenzahn.

Janni hingegen hielt das Gras für den Quell ewigen Lebens. Er schlupperte für sein Leben gerne das Tauwasser von den langen Halmen ab. Mit einer Ausdauer, die jeden normalen Hund mit Spieltrieb zur Verzweiflung brachte.

Janni macht den Frosch.

Das Leben war schön. Auch, wenn es immer wieder durcheinander kam. Letztens zum Beispiel. Da standen wir blöd in meinem Nicht-gerade-Lieblingsdorf im Dithmarschen herum. Monsieur hatte den Blechhöhlenschlüssel mitgenommen. In den Zug! Das machte wenig Sinn.

Also warteten wir auf den Gegenzug und liefen über die Brücke. Was schon aufregend für Dithmarscher Verhältnisse war, ein wahrer Kletterspaß. Auf der anderen Seite empfing uns eine sympathische Zuglutscherin mit dem Schlüssel in der Hand und einem Scherz auf den Lippen.

Und zwar glaubte sie eine Ähnlichkeit zwischen mir und dem Schlüsselschaf zu erkennen. Derartige Witze waren vielleicht was für Lutscher und Löffelgesichter, aber nicht für halbwegs intelligente Wesen.

Romantik auf der Marschwiese.

Trotzdem fand ich sie ziemlich sympathisch. Und zur Belohnung für die reibungslose Schlüsselübergabe wollte ich ihr quasi in die Arme springen, die Lutscher standen ja auf so was. Madame sah das anders und bremste mich unnötigerweise aus.

Die Woche drauf war mein Nicht-gerade-Lieblingsdorf im Dithmarschen genauso wenig aufregend wie immer, da Monsieur an alles gedacht hatte. Dabei hatte mir diese leicht konspirative Sache mit dem Schlüssel und der Zuglutscherin ziemlich gefallen. Ohne besonderen Anlass lenkte ich Madame also über die Brücke. Vielleicht passierte ja was.

Dann kam Maggie. Natürlich nicht nach Dithmarschen. Ihr Rudel hatte sich ganz in der Nähe einquartiert, und sie statteten uns an einem schönen Sommertag einen Besuch ab. Janni roch den Braten aka Maggie direkt, rannte das Gartentor um und drohte die Blechhöhle zu stürmen.

Janni entdeckt seine Gefühle für Magic Maggie.

Kaum, dass die hübsche und noch ledige Beardine eine Pfote auf unsere Fenne setzte, ließ er sie nicht mehr aus den Augen. Generell konnte man das Pummelschwein der Gattung Stalker zuordnen. Er liebte es, den Schatten zu mimen, egal ob bei Monsieur, Madame oder nun bei Magic Maggie.

Aber von der Süßen wollte er mehr, er ging aufs Ganze, folgte ihr auf Schritt und Tritt, tanzte mit ihr den Vorderpfotentaps und versuchte hin und wieder aufzuhoppeln. Janni legte sich richtig ins Zeug.

Mir war tendenziell langweilig, also widmete ich meine ganze Aufmerksamkeit den zur Verfügung stehenden Lutschern. Ab und an mahnte ich Janni zur Ordnung, schließlich konnte man so nicht mit seinen Gästen umgehen.

Das Leben war schön, doch immer gab es Probleme.

Maggie war wirklich eine Wucht, sie raste genauso gerne wir wir den Höllenmaschinen hinterher und tauchte so tief in einen Graben ein, bis sie wie eine nasse Waldfee aussah. Bei allem hatte ich den Verdacht, dass sie Janni ebenfalls recht attraktiv fand, auch wenn sie sich noch sträubte.

Natürlich hatten die beiden Turteltäubchen weitere Dates vereinbart, und ich sah schon die Hochzeitsglocken läuten. Nachts zappelte und quiekte das Pummelschwein im Traum. Ich fragte ihn, ob er verliebt wäre. Doch er antwortete, er hätte Albträume gehabt. Weil ich ihn immer so triezen würde. Ja, Himmelschafundmeer!

Text: Julchen (nach Diktat über eine Annonce nachgedacht: Gab es noch echte Kerle? Und wo trieben sie sich herum?)

Fotos: Elke Weiler

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, teile ihn oder unterstütze mich via PayPal – danke!
CategoriesHunde
Julchen

Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Nach langer Zeit hat Julchen sich nun wieder verlobt – ausgerechnet mit Jack, einem Border Collie aus dem fernen Apulien. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

  1. Julchen says:

    Quietschmäuse – hihi! Sowas hören meine Produzenten von Rennplüsch Media gar nicht gern. Ich hoffe, dass sie ihr Sabbatical bald beenden und wieder Filme launchen… ;-)

  2. Maggie "Love of first sight" says:

    Liebste Jule,

    wow! Wer hätte das gedacht, ich hier im Norden und schon werden alle Kerle verrückt. Hoffe Du verzeihst mir. Wollte ja nur mit Euch mal eine Sause am Strand verbringen, bisschen buddeln, im Schlick wälzen, Du weißt schon das übliche halt!

    Doch wie man sich versieht schwupps bin ich ein Pummelschweinmordendes Biest geworden. Ja, so ein Kerl aus dem Norden macht mir Spaß….. ;-)

    Melde mich am Samstag, dann fahren wir mal nach St. Buddel und Du, Janni und ich versuchen es dort noch einmal mit dem Treffen, dann gehts mal nur um uns Mädels…

    Dicken Nasenstupser und Grüße mir den Janni (hoffentlich kann er Heute gut schlafen)

    Eure Magic Maggie :-*

  3. Janni says:

    Huhu, Maggie!

    Wie geht’s dir? Hier ist alles supi, wir machen gerade ein paar Passanten akustisch fertig.

    Freu‘ mich schon aufs Wochenende!

    Bussi!

    Dein Janni

  4. Monsieur says:

    Liebe Turteltäubchen (a.k.a. Maggie und Janni)

    ich will kein Spielverderber sein aber im Ordinger Strand wird am Samstag die Hölle los sein wegen Kite Weltmeisterschaft und so. Wir müssen ggf. Richtung Böhl ausweichen. Für solche Naturkatastrophen wie Beardies im Freilauf sind die Kite Mädels und Jungs nicht gerüstet.

    Monsieur

  5. Julchen says:

    Also echt, Monsieur!

    Das bezieht sich ja wohl nur auf Janni, oder?

    Maggie und ich, wir sind top Buddel&Wälz-Beardies, und die Kite-Lutscher interessieren uns null.

    Wir wollen einfach den Beach rocken! (Und vielleicht ein paar Typen aufreißen.)

    Knutschis,

    Julischka die Große

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.