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Frühstück in der Fischerwiege

Die Himbeermarmelade, ein Traum. Es ist der Geschmack des Sommers, den ich beim Frühstück am Passader See genieße. Handmade by Esther Ahrendt, der Hausherrin der Fischerwiege.

Und es ist die Süße der Gegend, die ich schmecke, denn die Eheleute haben die Früchte vom Passader Himbeerhof erworben. Das sei Esther und ihrem Mann Jörg wichtig: Alle Zutaten für die Küche des Landhotels sollten nach Möglichkeit aus der Gegend kommen.

So bieten sie Katenschinken aus Probsteierhagen, das Bio-Brot des Passader Backhauses, Holsteiner Käse und den aromatischen Kaffee einer regionalen Privatrösterei. Draußen färben sich die Bäume bunt, und der See glitzert in der Morgensonne.

Nach dem Frühstück leihe ich mir ein Fahrrad bei den Ahrendts, um den See zu erkunden, den ich die ganze Zeit vor Augen habe. Aus dem Ort herausführend wird der Pfad recht schmal und stellenweise holprig ob der vielen Baumwurzeln.

Angekommen.

Bis in das verschlafene Wulsdorf fahre ich parallel zum See, vorbei an den Getreidefeldern der Biobäckerei und ein paar gemächlich grasenden Kühen. So richtig an den See heran komme ich hier nicht, und auch in Wulfsdorf ist der Zugang dem dortigen Wassersportverein vorbehalten.

Die Badestelle in Passade liegt schon im Winterschlaf. Still ruht der See, nur ein vereinzeltes Boot lässt sich treiben. Ich beschließe, zurückzufahren und einen Abstecher zum Ostseestrand zu machen. Denn in der Probstei sind die Wege kurz. Egal, ob man nach Kiel, ans Meer oder zur Förde möchte.

Als die Ahrendts sich entschlossen, ihre guten Jobs in Hamburg zu quittieren und den Traum vom Landleben zu verwirklichen, verliebten sie sich auf der Suche nach dem perfekten Ort. Das alte Fischerhaus am See musste es sein.

Zeit für Kuchen

Zu seinen Besonderheiten zählt zum Beispiel die Tenne: Sie ist mit einem relativ kleinen Eingang, aber viel Licht ausgestattet. Ungewöhnlich, da nach den speziellen Bedürfnissen des Fischers gestaltet, der hier einst seine Netze geflickt hat.

Nach der sensiblen Renovierung des 180 Jahre alten Reetdachhauses entstanden sieben Doppelzimmer und vier Suiten sowie der Name „Fischerwiege“. Klingt nach Kerzenschein und gemütlichen Tagen, herzlichem Empfang und persönlicher Betreuung. Genuss am See. Ein entspanntes Wochenende. Nur eine Girlande mit Papierfischen in der Tenne erinnert noch an alte Zeiten.

Die Gästezimmer sind farbharmonisch durchgestylt, mal dominiert Apfelgrün, mal Aubergine. Dass die Familie sich hier wohlfühlt, spürt man an der ganzen Atmosphäre des Landhotels. Und mit Baby Bente, dem Sonnenschein des Hauses, sind die Ahrendts in Passade gut aufgehoben. Unter den 350 Einwohner des Ortes kommt der Nachwuchs nicht zu kurz, Passade lebt.

Kalifornien oder Brasilien?

Ich probiere den hausgemachten Kuchen mit Preiselbeercreme und mache mich schließlich auf den Weg nach Kalifornien. Etwa acht, neun Kilometer, dann ich bin da. Warum es in der Probstei Strandabschnitte mit exotischen Namen gibt? Um diese Frage ranken sich Legenden. Jedenfalls kann man hier, und nur hier, in einer halben Stunde von Kalifornien nach Brasilien laufen – immer schön die Ostseeküste entlang.

Und die frische Seeluft macht hungrig. Mittags können die Gäste der Fischerwiege Pasta, Suppe oder ein „Fischerbrot“ mit Katenschinken bekommen, abends empfehlen die Ahrendts ihren Gästen einige Restaurants der Umgebung. Darunter auch die „Fischküche“ in Laboe.

Wieder durchquere ich diese so ländliche, ausgeruhte Probstei, fahre über gewelltes Hügelland, ein Jungmoränengebiet mit viel Wald und Grünflächen. In Laboe wechselt das Szenario in ein maritimes, von Hafen und Förde geprägtes Kleinstadtleben.

Und abends in Laboe

Die Dunkelheit legt sich über den Yachthafen, und die Lichter der anderen Uferseite markieren den Rand der Kieler Förde, einst geformt von Gletschereis. Das Wasser ist omnipräsent, es verfolgt mich. Erst der stille Passader See, dann das aufgewühlte Baltische Meer und nun die Förde im Mondschein.

Entscheide ich mich für Aal aus dem See oder Scholle frisch vom Kutter? Langsam verstehe ich, warum es die Ahrendts auf die Halbinsel Wagrien verschlagen hat. Ganz in die Nähe des Himbeerhofs, der Biobäckerei und direkt an den See. Alles rückt in greifbare Nähe: Stadt, Wald, Meer. Ein Landleben mit Variationen.

Text und Fotos: Elke Weiler

Mit Dank an das Landhotel Fischerwiege für die Unterstützung dieser Reise.

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