Meine Lieblingscafés auf Eiderstedt

Im Café

Oldenswort & die Klöön Stuv

Es gilt als eines der funktionierenden Dörfer auf der Halbinsel, hat man doch rechtzeitig die Weichen für familiäre Bedürfnisse gestellt und in Windkraft investiert. Vom Bäcker bis zum Blumenladen, Metzger und Kaufmann ist alles Notwendige vorhanden. Und ganz wichtig: Das Café als Wohnzimmer eines Ortes. Ein altes Backsteingebäude gegenüber der Kirche beherbergt den „Treffpunkt“ mitsamt kleinem feinen Museum. Vor Jahren habe ich schon einmal über Oldenswort und das damalige Café berichtet – im Pandemiejahr 2021 wurde es von den Schwestern Nina und Nicole Holst neu eröffnet.

Bevor man das Haus auf der Dorfstraße 31 betritt, fällt der Blick auf die Tafel: 1610 hat hier der Pfennigmeister gewohnt, einer der beiden Rechnungsführer von Eiderstedt. Ein historischer Job, der von den Privilegien und einer weitgehenden Eigenständigkeit der einstigen Landschaft als Verwaltungseinheit erzählt. Sowohl die Gottorfer Herzöge als auch die dänischen Königen ließen sich diese Selbstständigkeit bezahlen, und der Pfennigmeister hatte das Geld dafür aufzutreiben.

Auch wenn sich ein Blick in die dorfgeschichtliche Sammlung im „Treffpunkt“ lohnt, nehmen wir meist den Eingang zur Linken, aus dem Kaffeeduft verströmt. Immer samstags und sonntags kommen Ninas frisch gebackene Tortenkreationen auf den Tisch. Oftmals passend zum Wetter, wie ich denke. Als der Frühling noch warm war, habe ich die Zitronentorte genossen. Nun, bei geradezu herbstlichem Wind und gefallenen Temperaturen machen sich Schokotorte sowie Himbeeren-Mohn ganz prächtig.

Sitzt man bei schönem Wetter und Vogelzwitschern lieber im Freien hinter dem Gebäude, genießt man bei Wind und Regen das Ambiente drinnen. Mit Grün, das von der Decke wächst, skandinavisch anmutenden Lampen, Holzmöbeln und coolen Vintage-Sesseln. Ein paar Bilder der dritten Schwester und Hobbyfotografin Natascha zieren die Wände mit Impressionen aus der Umgebung: der kleine Hafen am Tetenbüllspieker, die Badestelle an der Eider in Tönning. Nicole versprüht gute Laune im Service, und an jedem Wochenende warten andere Tortenkreationen, manchmal Überraschungen wie Waffeln, Windbeutel oder Futjes – je nach Saison.

Nicht zu vergessen: Vor dem Haus gibt es eine Ladestation für E-Autos, hinterm Haus stehen Steckdosen zum Laden von Pedelecs bereit.

Klöön Stuv, Dorfstraße 31, 25870 Oldenswort, Telefon 04864 1002138

Öffnungszeiten: samstags und sonntags ab 13 Uhr. (Mit Pause zwischen Weihnachten und Ostern.)

Instagram: Klöön Stuv

Tetenbüll & das Café im Theatrium

Auch wenn wir nicht im Dorf, sondern auf dem Land wohnen, ist Tetenbüll doch unser Bezugsort. Hier gehen wir wählen und … Kuchen essen! Vorzugsweise unter der Woche. Als ich noch in Begleitung der Acadiane Emilia war, konnte ich meinen geliebten Oldtimer sogar im Dorf reparieren lassen. Und zuletzt habe ich im Garten des ehemaligen Krämerladens und heutigen Museums Haus Peters aus meinem Hunderoman „Rindviecher im Nebel“ gelesen. Inmitten von Vogelgesang, Hahnenschreien und dem Ruf eines Kuckucks – passend zum Ende der Pause. Der perfekte Ort, spielen doch Teile der Handlung in der Gegend.

Wenn auch nicht im „Theatrium“. Der Name des Hauses an der Karkenstraat stammt vom vorletzten Besitzer, der im Saal ein Theater ins Leben rief. Als Inke Thun dem Café mitten in Tetenbüll neues Leben einhauchte, hatte sie zuvor in einer Eiderstedter Restaurantküche gearbeitet, wollte sich aber lieber ganz auf Kuchen kaprizieren.  

Laktosefrei, glutenfrei oder vegan? Alles da. Auch das ganz „normale“ Kuchenglück. Zum Beispiel Erdbeersahnetorte oder Blaubeer-Mascarpone. Typisch für die Gegend sind Trümmertorten, je nach Saison mit Stachelbeeren oder Rhabarber. Inke erfüllt ihren Stammgästen auch mal einen Sonderwunsch, wenn sie wegen einer Allergie nachfragen.

Das Café ist ein Treffpunkt der Generationen, hier sitzen Alt und Jung bei einem Stück Kuchen oder frischen Waffeln zusammen. Stammgäste melden sich ab, wenn sie mal unterwegs sind. Damit sich auch niemand Sorgen macht. Dann gibt es noch die Gäste, die gerne zum Lunch vorbeischauen, denen bietet die Gastwirtin ein paar Suppenvarianten an.

Im Innern sitzt man auf Vintage-Mobiliar – passend zur Geschichte des Gebäudes, das immer schon als Gasthof diente. Sämtliche Details rufen ein Wohnstuben-Feeling wie bei der Oma hervor. Draußen auf der Terrasse kann man dem Treiben Tetenbülls zuschauen: Mal hoppelt ein Hase über die Wiese, dann braust ein Motorrad ums Eck. Und bei Wind tun die Strandkörbe ihren Dienst.

Café im Theatrium, Karkenstraat 13, 25882 Tetenbüll, Telefon 04862 2011383

Öffnungszeiten: in der Saison dienstags bis sonntags ab 14 Uhr, im Winter mittwochs bis sonntags (zwei Wochen Ferien im Februar)

Website: cafe-theatrium.tetenbuell.com

Sankt Peter-Böhl & das Meersatt

Böhl, der südlichste Ortsteil von Sankt Peter-Ording besticht durch einen kleinen Leuchtturm, eine dem Westküstenpark zugehörige Storchengemeinde, die sich gerne auf den strandnahen Wiesen tummelt, sowie eigenen Pfahlbauten inklusive Restaurant. Es steht bei Kitern hoch im Kurs, wenn der Wind stimmt. Und dann gibt es noch den Golfplatz. Nicht eben unsers, wäre da nicht ein turmartiges Gebäude mit Gründach. Und Kaffeeduft.

2021 haben Nicole und Fabian Rosinus ein Café mitten im Grünen eröffnet. Der besondere Ort, die Ruhe hinterm Deich hat es ihnen angetan. Das freut nicht nur die Golfer. Radfahrer erreichen die Location über den Deichweg, und wer mit dem Auto ankommt, kann den vorhandenen Parkplatz nutzen. Mittags stehen Pommes mit oder ohne Currywurst hoch im Kurs, vor allem unter Golfern. Aber auch Salat, Fischbrötchen und Ofenkartoffeln.

Wem es wie uns häufiger nach Süßem gelüstet, der probiert die belgischen Waffeln oder den hausgemachten Kuchen. Etwa veganer Käse-Mohn-Kuchen mit Himbeerspiegel. Oder die schon legendäre Cappuccino-Torte. Der Kaffee kommt übrigens von Elbgold aus Hamburg. Immer wieder werde ich nach einem guten Tipp zum Frühstücken auf Eiderstedt gefragt. Nun sage ich gerne: das Meersatt! Und zwar von freitags bis sonntags in der Saison. (Am besten reservieren.) Neben der klassischen Variante stellen die Neugastronomen auch ein veganes Frühstück zusammen sowie eine süße Alternative. Sowie Avocadobrot, Rührei mit Bauernbrot und Shakshuka, ein gut gewürztes Gericht aus Israel mit Tomaten, Paprika und Ei.

Und wer im Sommer freitagabends auf einen Drink vorbeikommen möchte, kann beim Sundowner auf Strand, Meer und Golfgrün schauen. Manchmal sind auch hier ein paar Störche zu beobachten. Je nach Wetterlage und Windrichtung riecht man das Meer. Und keine Sorge: Die Bälle könnten nur auf ein paar Metern des Wegs zwischen Café und Deich fliegen.

Meersatt Café & Bar, Eiderweg 1, 25826 Sankt Peter-Ording, Telefon 04863 4261

Öffnungszeiten: dienstags bis donnerstags 11 bis 18 Uhr, freitags 9 bis 22 Uhr, samstags und sonntags 9 bis 18 Uhr (in der Saison – ansonsten schaut auf die Website oder den Insta-Kanal von Nicole und Fabian)

Website: www.meersatt.de, Instagram: meersatt

Katingsiel & Schankwirtschaft Andresen

Die Dinkelwaffeln mit Blaubeeren, oh my godness! Der Eiergrog! Die Delfter Kacheln! Wer durch die Räumlichkeiten der Schankwirtschaft Andresen schlendert, spürt den Hauch der Geschichte um sich wehen. Gleich hinterm Deich dehnt eine Buche ihre Arme aus, einladend und weit. Sie wurde wohl von der Großmutter selbst gepflanzt, erinnert sich Volker Andresen, heutiger Besitzer des Lokals.

Seit über 350 Jahren steht die Schankwirtschaft Andresen in Katingsiel. Gegenüber ein altes Zollhaus am Kanal Süderbootfahrt, der einst den Warentransport auf Eiderstedt erleichterte. Das waren die Zeiten, als Schiffe aus England und Holland anlegten. Gute Zeiten, denn im 16. und 17. Jahrhundert profitierte die Halbinsel von einer wirtschaftlichen Blüte. 

Die Schiffe brachten auch Delfter Kacheln mit dem typischen Rosenstern-Muster, das im friesischen Raum beliebt war. Es ziert noch heute die Kachelstube der Schankwirtschaft. Auf 1750 hat das Denkmalamt die Fliesen datiert. Doch wenn der Sommer schön wird, sitzt kaum jemand im Innern des Lokals, das mit Vintage-Möbeln und Schwarzweiß-Fotografien an den Wänden in eine andere Zeit versetzt. Dann sind die Plätze zwischen Buche und Linden angesagt. 

Für einen Eiergrog nach dem Originalrezept der blonden Kathrein ist es nie zu heiß. Besagte Großmutter also, die den Laden mehr als 60 Jahre geleitet und mit Leben gefüllt hatte, die heute älteste Schankwirtschaft an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins. Blond scheint der Grog auch, cremig bis sahnig. In der zweiten Hälfte wird der Rum deutlicher, aber nie dominant. 

Kleine herzhafte Gerichte wie Bratkartoffeln mit Krabben oder Schwarzbrot mit Matjes bilden eine gute Grundlage. Bei allen Kreationen legt die Familie Andresen großen Wert auf regionale Zutaten, wenn möglich aus dem eigenen Garten. 

Im Winter ist es drinnen urgemütlich. Man kann sich die historischen Fotos an den Wänden vertiefen, während es in den Kachelöfen knistert. Und draußen dampft der Nebel über die Marsch.

Schankwirtschaft Andresen, Katingsiel 4, 25832 Tönning, Telefon 04862 370

Öffnungszeiten: freitags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr

Website: www.schankwirtschaft-andresen.de

Wesselburenerkoog & Café Koog

Okay, der Wesselburenerkoog zählt nicht zu Eiderstedt, nicht mal zu Nordfriesland. Direkt hinterm Eidersperrwerk beginnt Dithmarschen. Die Eider, die hier ins Meer fließt, wenn sich die Schleusentore öffnen, galt in der Epoche von Karl und Knud als Grenze nach Skandinavien. Später begannen wilde Zeiten des gegenseitigen Zerstörens zwischen Eiderstedt und den Nachbarn. Heutzutage ist man zum Glück zum gegenseitigen Necken übergegangen.

Landschaftlich tut sich nicht viel, das ewige Marschland hüben wie drüben. Auch bei der Kuchenkompetenz kann man von Gleichstand reden. Also fahren wir gerne mal über die „Grenze“. Erstes Highlight jenseits der Eider: das Café Koog. Erste Sahne, nicht nur die Torten. Berit Wilkens führt den Laden gemeinsam mit ihrem Bruder, während aus der Küche die leckersten Torten (Apfel-Eierlikör oder Erdbeer-Sahne) in die ehemalige Schmiede getragen werden. Wer lieber etwas Herzhaftes möchte, kein Problem: Es gibt Suppen, Brote und Salate mit kulinarischer Raffinesse, egal ob saisonale Spargelsuppe oder Schafskäse mit Tomaten.

Da das Café ausgesprochen beliebt ist und an der Hauptroute nach Sankt-Peter-Ording liegt, sind die Randzeiten für einen Besuch zu empfehlen. Am besten steht man unter der Woche auf der Matte. Im Hof ist viel Platz, Strandkörbe locken auf die Wiese. Ein paar Schafe blöken ein Stück weiter hinten – wie gesagt, Dithmarschen und Nordfriesland unterscheiden sich in dieser Hinsicht kaum.

Und wer noch nach Obst und Gemüse (teilweise in Bio-Qualität) oder skandinavischen Deko-Artikeln sucht, ist im Hofladen gegenüber gut aufgehoben, wo ein weiterer Teil der Familie aktiv ist. Das eine oder andere Hübsche fürs Haus entdeckt man hier immer, Leinentücher etwa oder Lavendel.

Koog Café & Hofladen, Dammstraße 20, 25764 Wesselburenerkoog, Telefon 04833 425885

Öffnungszeiten: montags, mittwochs, donnerstags, freitags 11.30 bis 17.30, samstags & sonntags 10.00 bis 17.30

Website: www.koog-cafe.de

Und nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht. Wir essen nicht jeden Tag Kuchen. Manchmal backen wir auch zu Hause. Derzeit angesagt: Rhabarber-Crumble. Nach dem Rezept vom Apfel-Crumble, nur eben mit frischen Stangen aus dem Garten.

Mohltied, lasst es euch schmecken!

Text und Fotos: Elke Weiler

7 thoughts on “Meine Lieblingscafés auf Eiderstedt

  1. So richtig die Darstellung ist, so bitter ist die Veröffentlichung dieser wundervollen Orte.Die Konsequenz haben wie bitter am Spieker erlebt .
    Ich fühle meine Lieblingsorte funktionalisiert und der Masse zum Ausweiden preisgegeben.
    Bitter.

    1. Moin Vera,

      danke für deine Meinung!

      Die Gastronomen, die zunächst mit einer Pandemie und nun auch mit gestiegenen Preisen zu kämpfen haben, sehen das wohl anders. Bitter ist da eher, wenn man seinem Anspruch, jeden Tag frischen Kuchen zu bieten, nicht gerecht werden kann, weil vom Vortag noch jede Menge übrig ist.

      Massen-Moves sind übrigens durch meinen Blog nicht zu erwarten, da müssen wir auf dem Teppich bleiben.

      Lass uns gerne auch kurz auf den Spieker zu sprechen kommen, auch wenn der Vergleich hinkt. Ich vermute, du sprichst von den warmen Tagen in den Sommerferien, wenn alle gerne baden gehen? Stimmt, dann herrscht Freibad-Atmosphäre am Spieker. Das war sicher während der Zeit, als Deutschland nicht in Griechenland etc. urlauben konnte, noch etwas mehr als in den Vorjahren. Schauen wir mal, wie es in diesem Jahr aussehen wird. Falls du das ganze Jahr über auf Eiderstedt wohnst und shz abonniert hast, lies gerne mal hier: https://www.shz.de/regionales/kiel/Stimmung-in-Tourismusbranche-in-SH-wieder-deutlich-eingetruebt-id37586822.html

      Wir wohnen nun seit elf Jahren auf der Halbinsel und sind sehr häufig am Spieker. Fast täglich. Ich kann dir versichern: Außer an diesen paar Tagen in den Sommerferien kannst du hier die volle Ruhe genießen und den Austernfischern lauschen. Beim Anbaden vorletzte Woche waren etwa fünf Leute im Wasser.

      Viele Grüße und Kopf hoch!
      Elke

    2. OMG! Ist der Spieker jetzt weg? Oder kommt das Wasser nicht mehr zurück nach der Ebbe? Und schmeckt der Kuchen auch bitter jetzt? Fragen über Fragen!

  2. Früher wurde man zu den angesagten Locations ja noch mitgenommen! Nicht umsonst hatte ich mir in der Verwandtschaft den Ruf eines Kaffeetisch-Hunds erarbeitet!

    Und was den Spieker betrifft, ok, der zwar zwar nicht Gegenstand des Artikels, aber ich habe auch etwas beizutragen. Viel zu viele Vögel dort! Die werden immer lauter.

    Ich hoffe, ihr habt alle meinen Roman gelesen. In Teil 2 sage ich mehr dazu. Ach so, der ist noch nicht draußen. Hm.

    Euer Julchen

  3. Danke für die tollen Tipps! Ich bin regelmäßig auf der Halbinsel Eiderstedt unterwegs und immer auf der Suche nach neuen Orten und gutem Kuchen. Ein paar deiner Cafés kenne ich zwar schon, aber die neuen sind für meinen nächsten Besuch schonmal vorgemerkt :)
    Liebe Grüße
    Claudia

    1. Dann wünsche ich dir ganz viel Freude und guten Appetit beim nächsten Besuch!

      Liebe Grüße gen Süden :-)

      Elke

      P.S.: Ich sollte auch mal wieder nach Hamburg… Wäre ja jetzt ne gute Gelegenheit. :-)

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