Die Hallig der Schafe

Der Duft des Meeres. Es riecht intensiver, wenn es nicht da ist, hier im Watt. Ein Mann schaut in die Ferne, bevor er mir mit dem Gatter hilft. „Genau wie in meinem Portemonnaie“, fügt er hinzu. Ich verstehe nicht. „Ebbe“, erklärt er lächelnd. Ich bedanke mich für die Hilfe und trete in die Pedale.

Es ist der ideale Tag für eine Radtour zur Hamburger Hallig, und außer mir haben das noch zig Andere gedacht. Ein bisschen Wind, ein paar Wolken, und die Sonne brennt nicht zu heiß. Also habe ich kurzerhand mein Fahrrad in Ente Emilia geladen, die eigentlich eine Acadiane ist und als LKW über eine Ladefläche verfügt.

Vier Kilometer Salzwiesen

Zwar muss ich das Rad so weit drehen wie möglich, doch es passt haargenau ins Auto und liegt stabil. Am Amsinck-Haus parken die meisten Ausflügler zur Hamburger Hallig. Einige picknicken gleich dort, andere leihen sich Räder aus. Ein paar Besucher gehen zu Fuß zur Wasserkante. Vier Kilometer Salzwiesen liegen vor mir, als ich den Deich überquert habe.

Acadiane Emilia
Acadiane Emilia als Last-Ente
Auf dem Weg zur Hamburger Hallig
Vier Kilometer pro Strecke

Die Hamburger Hallig ist gut zu erkennen, ich habe sie heute morgen schon von den Reußenkögen in der Sonne aufleuchten sehen und spontan beschlossen, dort Kaffee trinken zu gehen. Auf halber Strecke das NABU-Haus, umzingelt von Schafen. Der Name Schafberg scheint mir für den Hügel mehr als gerechtfertigt. Eigentlich machen viele dort einen Stopp, um Vögel zu beobachten.

Die Hallig-Schafe

Die ersten Wildgänse habe ich schon in der letzten Woche beim Schwimmen über mir gesichtet: Es ist Herbst, auch wenn die Temperaturen von Sommer sprechen. Es entdecke einen Lehrpfad zum Thema Salzwiesen, Unterricht zum Anfassen. Doch mich faszinieren die Schafe der Hamburger Hallig immer wieder aufs Neue.

Schafe
Slow life

Sie sind selbstbewusst und wenig schreckhaft. Also quasi ein gefundenes Fressen für jeden, der gerne Schafe fotografiert. Und so wird diese Radtour auch zu einer tierischen Fototour. Irgendwann erreiche ich trotzdem die Warft mit dem Hallig-Krog, der seit anderthalb Jahren vom ehemaligen Traumschiff-Koch Erik Brack bewirtet wird.

Kaffeezeit

Seitdem bin ich nicht mehr auf der Hamburger Hallig gewesen und freue mich schon, heute zumindest mal den Kuchen zu probieren. Erwartungsgemäß ist es an Tagen wie diesen recht voll, doch ich ergattere noch ein freies Plätzchen neben einem Ehepaar, das sich in der Gegend gut auskennt. Das ergibt das Gespräch zumindest. Mein Rhabarberblechkuchen trägt als besondere Note eine Schicht Baiser, köstlich!

Hamburger Hallig, Hallig-Krog
Rhabarber, Rhabarber

Die Tischnachbarn sitzen beim späten Lunch oder frühen Dinner und sind mit dem Hallig-Klassiker Lammfrikadellen und einem Fischteller gut bedient. Ich nehme die Speisekarte kurz unter die Lupe und beschließe, beim nächsten Besuch den Wattenmeersalat mit Zuckeralgen zu probieren. Das Paar erzählt mir, dass sie sich schon mal im März Räder am Amsinck-Haus geliehen haben, um hier oben zu picknicken.

Am Badestrand

Dann hätten den Krog überraschenderweise offen vorgefunden und kulinarisch davon profitiert. Wobei so ein Picknick im Winter natürlich auch seinen Reiz hat. Ich laufe noch runter zum Watt, erkenne Pellworm am Horizont und beschließe, dorthin die nächste Tour gehen zu lassen. Oder vielleicht Sylt mit dem Rad?

Pellworm am Horizont
Nordstrandischmoor und Pellworm am Horizont

Auch an den Badestrand der Hamburger Hallig haben sich trotz Ebbe ein paar Besucher verirrt. Das Meer hat Pfützen im Schlick hinterlassen, in denen sich die Wolken spiegeln. Die Ruhe, die Weite, der Duft des abwesenden Meeres.

Text und Fotos: Elke Weiler

Dies ist der Start der neuen Meerblog-Reihe „Radfahren in Nordfriesland“.


Infos zur Hamburger Hallig-Tour:
Zwei Euro kostet das Ausleihen eines Rads für die Strecke zur Warft und zurück. Die Räder werden vom 1. April bis zum 31. Oktober verliehen, bei gutem Wetter manchmal auch schon früher. Wer mit dem Auto fahren will, bezahlt sieben Euro. Die Tour vom Amsinck-Haus zur Hallig fährt sich wunderbar leicht, nur flaches Land bis auf den Deich. Insgesamt gute acht Kilometer. Schafe haben Vorfahrt!

Hamburger Hallig
Die Warft des Hallig-Krogs
Schafberg der Hamburger Hallig
Der Schafberg
Lässigkeit
Die Bewohner
Hamburger Hallig, Strand
Der Weg
Wattwanderer
Das Watt
Standardbild
Elke Weiler
Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

4 Kommentare

  1. Schafe überall :-) – Bist du schon drauf gekommen, was genau eigentlich immer wieder so faszinierend an Schafen ist? Ich nicht, obwohl ich auch immer wieder begeistert von ihnen bin. Vielleicht ist’s das Archaische, Langsame, Einfache, das sie ausstrahlen, der Gedanke an ein idyllisches Landleben. Hmhm …

  2. Ja, ich hab’s gerade gesehen. ;-) Keine Ahnung. Ich habe meine Einstellung zu Kühen und Schafen grundlegend geändert, seitdem wir in Nordfriesland wohnen. Wobei ich die Schafe auf Island und auf den Färöer Inseln auch klasse fand. Dort haben sie den ganzen Sommer über ein freies Leben und machen richtig Strecke. Vielleicht erinnern mich Schafe auch an Julchen und Janni. :-) Ich mag einfach Tiere mit eigenem Kopf. Wenn die Weiden im Winter ohne Kühe sind, fehlt mir richtig was… :-) Liebe Grüße in den Süden!

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  4. […] einem sonnigen, windstillen Wintertag beschließe ich, zur Hamburger Hallig zu fahren. Ente Emilia darf ihr Winterquartier verlassen. Das Rad aufgeladen, den Rucksack gepackt […]

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