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Kirschblüte in Zentraljapan

Zentraljapan

Werbung | Schon seit meiner Düsseldorfer Zeit fasziniert mich japanische Kultur und Lebensart. Einmal habe ich den Jahreswechsel auf japanische Art in Düsseldorf begangen. Im Sommer bin ich durch den japanischen Garten gewandelt und habe mich mit einer in Düsseldorf lebenden Japanerin ausgetauscht. Ich koche gerne Japanisch, zumindest unkomplizierte Dinge wie Toshikoshi-Soba, Ramensuppen und Okonomiyaki, eine Art Pfannkuchen mit Weißkohl, sehr herzhaft.

Jedes Mal, wenn ich in Düsseldorf bin, stürme ich in die japanischen Märkte und decke mich mit typischen Zutaten ein, wie etwa mit Soba (Buchweizennudeln), dem Reiswein Mirin und der Gewürzmischung Shichimi-Togarashi. „Midnight Diner: Tokyo Stories“ ist übrigens eine meiner Lieblingsserien, und das nicht nur, weil es ums Essen geht. Mal ganz davon abgesehen, dass ich japanische Bücher liebe.

Den Frühling feiern

Nur die Kirschblüte habe ich noch nie gefeiert, auf Japanisch Hanami beziehungsweise O-Hanami. Dabei sehne ich mich nach keiner Jahreszeit so sehr wie nach dem Frühling. Denn nichts scheint so lang anzudauern wie der Winter. Vermutlich versuchen wir ihn deswegen hierzulande mit Karneval oder Biike-Brennen zu vertreiben. Doch die ersten zarten Zeichen des Frühlings feiern wir leider nicht.

Hanami kommt in Japan dem Zelebrieren eines langersehnten Großereignisses gleich. Da sich die japanische Inselwelt über 3.000 Kilometer von Hokkaidō im Norden bis Okinawa im Süden und damit vom 45. bis zum 20. Breitengrad über diverse Klimazonen erstreckt, dauert das rosa Wunder insgesamt von Januar bis April.

Kirschblüte Usuzumi-zakura © Jiji Press
Usuzumi-zakura, einer der drei ältesten Kirschbäume © Jiji Press

Zwischen Tokyo und Kyoto befindet sich Zentraljapan in der Mitte der Hauptinsel Honshū. Bald schon soll es hier aufblühen, alle schauen auf die Website der Kirschblüten-Voraussage. In diesem Jahr wird der Beginn ein paar Tage früher als üblich prognostiziert. Und Nagoya wird für Zentraljapan das Rennen machen, hier beginnt Hanami voraussichtlich am 17. März mit dem Öffnen der ersten Blütenkelche. Mit der vollen Blüte ist dann am 26. März zu rechnen, wenn sich 80 Prozent der Blüten geöffnet haben.

Gemeinsam picknicken

Alle zieht es jetzt nach draußen. Man picknickt auf Plastikplanen unter den Bäumen – gemeinsam mit der Familie, mit Arbeitskollegen oder Freunden. Hot Spots für einen Spaziergang in Rosa gibt es viele. Da wäre zum Beispiel die Burg Inuyama, die 40 Meter über dem Fluss Kiso thront. Der heutige Bau stammt aus dem 16. Jahrhundert und gilt als Nationalschatz in Japan, als materielles Kulturgut. Heute noch können Besucher die steilen Treppen erklimmen, die in den ältesten erhaltenen Burgturm Japans hinaufführen. Der Ausblick hat schon konfuzianische Dichter inspiriert. Im späten März ergibt sich die Chance, die Burg von rund 400 blühenden Kirschbäumen gerahmt zu bewundern.

Kirschblüte in Inuyama © National Treasure Inuyama Castle
Burg Inuyama © National Treasure Inuyama Castle

Eine geschätzt 1.500 Jahre alte Usuzumi-zakura befindet sich in der Stadt Motosu. Sie wird als einer der „Großen Drei“ der japanischen Kirschbäume betrachtet. Die Legende besagt, dass der Baum im frühen sechsten Jahrhundert von Kaiser Ketai höchstpersönlich gepflanzt wurde. Aus dem dicken Stamm des Baumes räkeln sich knorrige Äste durch die Luft, doch inzwischen muss der zerbrechliche, alte Baum an vielen Stellen gestützt werden. Der Farbton der Blüten verwandelt sich mit den Phasen der Kirschblüte: Erscheinen die Knospen noch blassrosa, sind die Blüten weiß und färben sich erst in den letzten Tage rosarot. Dieser Ton hat im Japanischen seinen eigenen Namen: Usuzumi, eine in der traditionellen Malkunst verwendete Tuschfarbe.

Im Blütentunnel

Bei Kawazu-zakura im Ort Kawazu handelt es sich eine Variation der Kirschbäume, die in ganz Japan als die am frühesten blühenden bekannt ist. Die Blütezeit beginnt bereits im Februar, und deren Höhepunkt hält rund eine Woche an. Bis in den frühen März hinein können Besucher den Zauber der überdurchschnittlich großen Blüten in einem strahlenden Rosaton genießen. Rund 850 Bäume sind am Fluss Kawazu zu finden, welcher nur einen zehnminütigen Spaziergang vom Bahnhof Kawazu entfernt ist. Während der Spitzenzeit bildet sich eine Art Blütentunnel am Flussufer.

Kirschblüte Japan © Jiji Press
Kawazu-zakura © Jiji Press

Vielleicht werde ich im Spätherbst nach Japan reisen, wenn die Natur in warmen, bunten Tönen schwelgt. Doch selbst dann gibt es noch eine letzte Chance auf ein bisschen Kirschblüte, zumindest im Stadtviertel Obara der Stadt Toyota. Die Stadt beheimatet nämlich eine Kirschbaumart namens Shiki-zakura, die tatsächlich zweimal im Jahr blüht. Zuerst von Mitte März bis Anfang April, dann wieder vom späten Oktober bis frühen Dezember. Am besten sei es, der Blütenpracht im November beizuwohnen, sagte man mir. Den Einheimischen ist die einzigartige Baumart derart ans Herz gewachsen, dass sie an die 10.000 Bäume in besagtem Stadtviertel gepflanzt haben.

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Go Central Japan. Für mehr Informationen über Japan auf Deutsch siehe auch Voyapon.

Aufmacher: Obara Shiki-zakura © Tourism Toyota

Autor

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Avatar Kai sagt:

    Liebe Elke,
    dieses Jahr wird alles anders sein. Und vielleicht hilft es uns, uns auf genau solche Schönheiten zu besinnen, sie wieder wahrzunehmen und zu fühlen, ohne schon innerlich zum nächsten zu hasten.
    Und so dramatisch die aktuelle Zeit ist, sie ist ein Geschenk für unsere Natur.
    Aber warum kann sie sich nur dann erholen, wenn die Menschheit leidet und warum leidet die Natur, wenn wir uns „erholen“?
    Vielleicht ist Dein Artikel, auch wenn es Werbung ist, ein kleiner Fingerzeig, dass auch beides in Einklang geht. Liegt allerdings mehr an uns Menschen als an der Natur. Die Natur will schon.
    Ich weiß, Du siehst das auch so.
    Liebe und im Moment leise Gedanken.
    Kai

    1. Avatar Elke Weiler sagt:

      Lieber Kai,

      da muss ich dir recht geben, theoretisch wäre auch der Mensch ein Teil der Natur, nur hat er sich von ihr entfernt, in seinem Streben nach mehr, immer mehr, nach allem.

      Jetzt fallen wir zurück auf unsere Füße, und die Natur zeigt mal wieder, dass dieser wundervolle Planet niemandem gehört.

      Dramatische Worte zum Samstag! :-)

      Macht es euch gemütlich und bleibt gesund. Ob du es glaubst oder nicht, aber auf unserer Straße wird derzeit nicht so gerast wie üblich. ;-)

      Liebe Grüße,

      Elke

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