Genuss Landleben

Die Pflaumen sind reif

Ich habe wieder Zeit zum Kuchenbacken. Das ist wunderbar und dringend nötig. Die Äste unserer Pflaumenbäume biegen sich quasi vor violetten Früchtchen, von denen viele aufgrund der starken Schauern in der vorletzten Nacht bereits auf dem Boden gelandet sind. Nach anfänglichem Interesse haben die Hühner von dem gefallenen Obst abgelassen und sich wieder auf ihr Kern-, beziehungsweise Kornbusiness konzentriert.

Da wir schon vor einiger Zeit ein Kuchenrezept der guten Clara von Tastesheriff in einer Variation mit unseren Johannisbeeren ausprobiert haben, kam der Mann während meiner höchsten Schreibstress-Phase auf die Idee, in der Richtung weiter zu experimentieren. Pflaumenkuchen ohne Baiser! Vermutlich habe ich deswegen überlebt.

Sommerpflaumen
Lecker!

Ich überlege noch, ob ich bei den Pflaumen auch einen Drehtest wie bei den Äpfeln beim Ernten machen soll, merke jedoch, dass mir die reifen Früchte quasi in die Hände fallen. In diesem Jahr haben wir es endlich geschafft, alle Pflaumenbäume zugänglich zu machen, obwohl das Reet überall wie verrückt wuchert. Einen Teil der neu gewonnenen Fläche hat der Mann für Essbares wie Bohnen, Salat, Kohlrabi und Möhren umgepflügt. Davon profitieren wir schon den ganzen Sommer, manchmal kommen wir mit der Ernte zeitlich kaum nach. Nur die Erbsen wollten nicht so recht. Und was die Möhren angeht, da gibt es ein paar Mitesser. Allerdings ist die Housekeepingstelle mit Matilda wieder optimal besetzt, die schon eine Spur zu gewissenhaft arbeitet.

Doch nun zum Pflaumenkuchen

Ich habe vier Eier mit Genehmigung des Hennenclubs, etwa 200 Gramm zerlassene, gesalzene Bio-Butter, 170 Gramm Rübenzucker und gemahlene Bourbon-Vanille (nach Gusto) miteinander verrührt, bevor ich 170 Gramm Mehl, 30 Gramm Maisstärke und ein halbes Päckchen Backpulver nach und nach zugefügt habe. Der Teig kommt in eine gefettete und mit Mehl besprenkelte Springform. Die Pflaumen habe ich gewaschen, entkernt und geviertelt, dann unter den Teig gehoben. Es waren 13 Pflaumen, glaube ich, wobei sich das Fleisch teilweise schlecht vom Kern lösen ließ, was die Mengenangabe ungenau macht. In solchen Fällen habe ich die Kerne nämlich abgefuttert.

Frischer Pflaumenkuchen mit Sahne
Mohltied!

Außerdem sind unsere Pflaumen relativ klein, also müsst ihr die Menge hier je nach Größe stark anpassen, damit das Verhältnis von Teig und Obst stimmt. Das Ganze kommt zirka 30 Minuten bei 170 bis 175 Grad in den vorgeheizten Backofen. Ich mache keine genaue Angabe, weil jeder Ofen anders ist, und wir schon oft festgestellt haben, dass unserer eine geringere Temperatur für die angegebene Backzeit braucht. Was immer hilft, ist der Test mit dem Holzstäbchen! Die Kuchenkruste ist schwach gebräunt und krosser als das fluffige Innere. Schmeckt am besten frisch und mit etwas Sahne.

Guten Appetit! Mohltied! Velbekomme! Läät di det smääk!

(Weil Nordfriesland mehrsprachig ist.)

P.S.: Was nicht aus dem Garten kommt, stammt aus dem Unverpackt-Laden. Auf das Thema Plastikvermeidung wegen Vermüllung des Planeten möchte ich demnächst noch ausführlicher zurückkommen.

Und in Bezug auf Milchprodukte: Es existiert eine Hofliste der Welttierschutzgesellschaft e.V. für mutter- oder ammengebundene Kälberaufzucht. Hier ist auch vermerkt, an wen die Milch geliefert wird.

P.P.S.: Nach dem Pflaumenkuchen wären dann die Blaubeeren reif fürs Tiramisu auf nordische Art.

Autor

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

4 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Avatar Franziska sagt:

    Liebe Elke,

    da hast Du wieder eine Köstlichkeit zubereitet. Und endlich mal ein Kuchen ohne Streusel. (Wenn man die dauernd serviert bekommt, hängen sie einem doch ein wenig zum Hals heraus.)
    Hab noch viel Spaß mit eurer Botanik!

    Sonnenscheingrüße
    Franziska

    1. Avatar Elke Weiler sagt:

      Liebe Franziska,
      da hast du recht, ein Pflaumenkuchen ohne Streusel hat Seltenheitswert. Und dieser hier ist sowieso flexibel – mit den Johannisbeeren war er auch lecker!
      Liebe Grüße,
      Elke

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