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Alles über Schafe

Deichschweine

Das sogenannte Deichschwein. Es gehört zu Nordfriesland wie Wattwurm und Austernfischer. Meist sind es Schafe der holländischen Texelrasse, die vom Frühjahr bis zum Herbstende die Grasnarbe auf den Deichen kurz halten und den Marschboden schön fest treten.

Damit machen sie sich als Küstenschützer unentbehrlich. Auch die Löcher im Deich, durch Maulwürfe oder Wühlmäuse verursacht, werden durch das sanfte Stapfen der Paarhufer wieder „gestopft“. Als I-Tüpfelchen düngt das Deichschwein die Graswurzeln kräftig.

Deichschweine

Aber Schafe sind in Nordfriesland nicht nur als Deichpfleger unterwegs. Bei der Landwirtschaftszählung 2010 waren 117.496 Wollknäuel bei 648 Schafhaltern gemeldet (Quelle: Statistikamt Nord). Damit hält sich Nordfriesland 42 Prozent des gesamten Schafbestandes von Schleswig-Holstein, an zweiter Stelle steht Dithmarschen mit immerhin 89.451 Schafen.

Kein Wunder, dass einen auch schon mal ein ausgebüchstes Schaf am Ortsrand begrüßt, die Tiere können neugierig und gastfreundlich sein. Oder sich über ein extra Grasbüschel von jenseits des Zaunes freuen. Der weite Himmel, das grüne Flachland und weidende Schafe bilden eine nordfriesische Einheit.

Beliebte Fotomotive, nicht nur für Urlauber. Schafe im Vorder- oder Hintergrund, das Schaf im Porträt, die eigene Schafseite bei Facebook. Das Ton- oder Holzschaf im Vorgarten, das süße Plüschlamm als Mitbringsel.

Wolle als Schutz

Neben dem gängigen Model- und Deichpflegerjob sind Schafe als professionelle Rasenmäher, Woll- und Milchlieferanten tätig. Im Winter können sie auf ihr üppiges Haarkleid nicht verzichten, denn die gute Wolle hält sie schön warm, wenn sie auf den Fennen Wind und Wetter trotzen. Meist als einzige verbliebene Nutztiere.

Aber auch im Sommer bietet die Wolle ihnen Schutz, wirkt temperaturausgleichend, ist atmungsaktiv und schmutzabweisend. Nebenbei bemerkt: Wer als Zweibeiner einen Wollpulli trägt, vermeidet elektrostatische Aufladung.

Meist werden die Schafe einmal im Jahr geschoren, ihre Wolle gekämmt, gesponnen und gewebt. Oder zu Filzprodukten weiterverarbeitet. Dabei können so edle Stücke wie die Filz-Seide-Westen einer Friedrichstädter Designerin entstehen.

Aus der Schafkäserei

Im Frühjahr kommt wieder Leben auf den Deich, die Schafe genießen Meerblick. Und auch in der Schafskäserei beginnt die Saison. In Tetenbüll sind zum Beispiel Ostfriesische Milchschafe am Werk – etwas zarter gebaut als die Texel-Kollegen auf den Deichen.

Den ersten Käse gibt es schon nach ein paar Tagen: Lecker ist der „Frische Friese“ mit Kräutern oder pur. Der „Rote Friese“ hingegen benötigt ein paar Wochen Reifezeit im Keller. Bis Ende Oktober wird in Tetenbüll gemolken, dann geht es wieder in die Winterpause.

Auch wenn die Ablammzeit von Februar bis April dauert, kommen vereinzelt Winterlämmer zur Welt. Sie haben es schwer, da ihr Haarkleid zu dünn ist, um bei härteren Wintertemperaturen zu überleben. Nach der Ablammung dürfen die Schafskinder mit Frau Mama hinaus auf den Deich, wo sie durch munteres Umherspringen die Spaziergänger erfreuen.

Die Lammtage

Nicht zu vergessen: das Salzwiesenlamm als Delikatesse. Schon im Alter von vier bis sechs Monaten werden die Tiere geschlachtet, da sich der typische Hammelgeschmack ab dem achten Monat entwickelt. Eine artgerechte Haltung auf Koppel oder Deich macht nicht nur das Schaf glücklich, sondern sorgt auch für gute Fleischqualität.

Und Nicht-Vegetarier schätzen vielerorts ein regionales Lammgericht auf ihrem Tisch. Etwa als Frikadelle im Schäferbrot am Westerhever Leuchtturm. Oder als Lammkeule, frisch aus dem Ofen, mit Kräutern und Salzgrasheu gegart, beim Roten Haubarg in Witzwort.

Bei den „Nordfriesischen Lammtagen“ im Mai dreht es sich nicht nur um die kulinarische Spezialität. Auf dem Lämmerball wird eine Lammkönigin gekrönt, es gibt Lammfeste, Führungen durch die Schafskäserei, Anschauungsunterricht in Sachen Wollverarbeitung und das Vorführen einer Schafschur vor dem Multimar Wattforum in Tönning.

Dort sind auch außerhalb der Lammtage Vertreter seltener Schafrassen zu bewundern. Zum Beispiel kleinwüchsige, robuste Skudden oder braune Soay-Schafe. Letztere können ihre Wolle selber abstreifen und sie lassen sich nicht von Hunden hüten. Als herkömmliches Deichschwein arbeitet dieser Typus in Nordfriesland nicht.

Text und Fotos: Elke Weiler

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CategoriesNordfriesland
Elke

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

  1. Pingback:Das Reetdach | Aus der Meerblog-Reihe: "Typisch Nordfriesland"

  2. Stefanie Müller says:

    Wie heißen denn die braunen Schafe auf Pellworm/Nordfriesland? Ich kann die Rasse irgendwie nicht finden. Besten Dank

    1. Elke Weiler says:

      Ich habe auf Pellworm vor allem Texel-Schafe gesehen. Aber vielleicht sind es Zwartbles, die du meinst? Haben sie eine weiße Stelle auf dem Kopf? Manchmal sind Texel- und Suffolks gemixt, oder Texel und Zwartbles, dabei können wohl auch braune Schafe herauskommen. Liebe Grüße! Elke

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