Föhr Nordfriesland

Eine Nacht am Meer

Schlafstrandkorb

Die Urlauberin bleibt vor dem Staketenzaun stehen. „Darf ich mal hineinschauen?“ Gerne lade ich sie ein. Im Hotel hätte man es als seltsam empfunden, wenn der Nachbar einen Blick ins Zimmer hätte werfen wollen. Am Strand ist alles anders.

„Viel gibt es allerdings nicht zu sehen“, gebe ich zu bedenken. Mein Bett für eine Nacht wirkt spartanisch, ich habe die rosa Bettwäche noch nicht in Szene gesetzt. „Die Matratze sieht dünn aus“, meint die Frau kritisch. Prüfend hebe ich den oberen Teil hoch. „Darunter ist noch eine Matratze“, infomiere ich sie. Ein erster Drucktest ergibt: Unbequem ist anders.

Schlafstrandkorb in Utersum
Ufo gelandet.

„Das wäre mir zu kalt hier“, unkt sie weiter. Ihre Mutter oder Schwiegermutter erscheint kurz darauf mit glänzenden Augen vorm Korb. „Ein Bett am Sandstrand!“ Fast singt sie es. Und ich habe jetzt dieses Kornfeld-Lied im Kopf.

Vermutlich findet sie mich spießig, weil ich bemüht bin, möglichst wenig Sand in mein Strandbett hineinzutragen. Doch dieses Unterfangen erweist sich rasch als unmöglich, wenn man von Sand umzingelt ist. Wozu also der Stress?

Von nun an barfuß

Ich packe Kissen, Oberbett und Laken aus, arrangiere die Dinge und verstaue den Rest im Auto auf dem nahen Parkplatz in Utersum. Denn ein Schlafstrandkorb verfügt nur über wenig Stauraum, von Schränken ganz zu schweigen. Aber richtig gemütlich schaut es jetzt aus.

Das Abenteuer kann beginnen.

Erst mal stärken für die Nacht im Freien. Im Strandlokal läuft Reggae, und der Kellner meint, ich könnte einen „Black Hugo“ gebrauchen. Scheinbar das Föhrer Pendant zu Saloon und Whisky. Wir einigen uns auf etwas Warmes und einen kühlen Rosé, mit dem ich mich trotz des Wetters auf die Terrasse begebe.

Dunkle Wolken ziehen am Horizont auf. In Utersum soll man zwar den schönsten Sonnenuntergang von ganz Föhr erleben, aber ob das heute ein Farbspektakel wird, ist fraglich. Immerhin sitzt man szenisch zwischen Amrum und Sylt.

Als der Sommerregen vom Tröpfeln in eine leichte Schauer übergeht, habe ich gespeist und kann in meine kleine Oase am Strand flüchten. Mein Schlafstrandkorb funktioniert nämlich wie ein Cabriolet mit auf- und zuklappbarem Dach. Durch ein rundes Fenster schaue ich nun auf Regentropfen mit Beachlife.

Ufo mit Höhlen-Feeling

Wesentlich komfortabler als Luftmatratze und Zelt und der Umgebung angepasst. Wobei man sagen muss, dass so ein Schlafstrandkorb nur entfernt mit dem normalen Strandkorb verwandt ist. Er ist breiter, grauer, rechteckiger, moderner.

Fast wirkt es so, als hätte jemand einen übergroßen Schlitten auf Kufen und mit Verdeck an den Strand gebracht. Ein behäbiges Ufo mit Höhlen-Feeling. Unter dem Cabrio-Dach steckt ein Ort zum Sitzen, Liegen, Kuscheln, Reden, Sinnieren, Philosophieren, Nächtigen. Schreiben geht auch. Sehr gut sogar.

Dazu das leise Rauschen der Wellen, das nie aufhört. Ok, irgendwann schon. Ebbe und Flut existieren schließlich auch rund um Föhr. Irgendwo reden ein paar Urlauber, die ich nicht sehe. Ein Rabe läuft über den Sand, Möwen schreien. Der Wind rüttelt am Cabrio-Dach.

Schlafstrandkorb
Ein Bett am Sandstrand

Zwar hat regnet es nicht mehr, doch segeln weiterhin Drama-Wolken auf Föhr zu. Mein rundes Strand-TV hat nun zwei Spaziergänger an der Wasserkante auf Sendung. Warum sind eigentlich alle Fernseher eckig? Ein Falter, jetzt live im Schlafstrandkorb. Aufgeregt. Ich versuche ihn vorsichtig hinauszukomplimentieren, da ich nicht für zwei gebucht habe. Das sieht er ein.

Wenn das Meer wieder rauscht

Die Toiletten am Kiosk seien die ganze Nacht über geöffnet, hat man mir gesagt. Das Waschbecken ist klein, aber besser als gar keins. Zum Schwimmen ist es mir ausnahmsweise zu frisch, zumal ich mich im Ufo nicht richtig aufwärmen könnte. Der Strand hat sich geleert. Pünktlich vor Sonnenuntergang reißt der Himmel auf und startet seine Show. Zwar bläst der Wind gehörig, doch alle kommen noch einmal zurück, um das Tagesende zu zelebrieren.

Und dieses Wissen, heute die Letzte und morgen die Erste am Meer zu sein.

Das ist es. Leicht unterkühlt kehre ich nach langen Spaziergängen zum Ufo zurück und ziehe mehrere Schichten für die Nacht übereinander. Das Federbett ist kuschelig und warm. Nur die Nase ein Eisklumpen. Irgendwann falle ich in einen leichten Schlaf, obwohl von irgendwoher dumpfe Musik ertönt. Wenn es wenigstens Reggae wäre. Ich höre Stimmen, schlafe weiter. Traumlos.

Café, Promenade

Gegen Morgen bringt die Flut das Meeresrauschen zurück, das beste Schlafmittel der Welt. Zwischen sieben und acht Uhr bin ich topfit, klappe das Cabrio-Dach meines Ufos hoch und genieße den Morgen bei dramatischer Lichtstimmung. Während des Erfrischens und Aufhübschens am Kiosk vermisse ich die Dusche ein bisschen. Die dann prompt kommt, und zwar in Form von kräftigem Regen.

Ich hechte zum Auto und zur Touristen-Info, um die Schlüssel zurückzugeben. Normalerweise findet die Übergabe direkt am Strand statt. Nach den drei Sprints bin ich gut durchgeweicht. Doch im E-Auto funktionieren Lüftung und Heizung so gut, dass ich bis Wyk fast wieder trocken bin.

Noch ein Frühstück an der Wyker Promenade, als die Sonne durch die schweren Wolken blinzelt. Das Meer im gleißend hellen Licht. Und am Horizont meine Fähre nach Amrum.

Text und Fotos: Elke Weiler

Mit Dank an Föhr Tourismus, die mir Schlafstrandkorb und Bettwäsche bereitgestellt haben. Dort ist einer von insgesamt fünf Schlafstrandkörben in Wyk, Nieblum oder Utersum für 59 Euro buchbar, egal ob für eine oder zwei Personen. Die übliche Kurabgabe fällt an. Man kann einen Schlafsack mitbringen oder die Bettwäsche zubuchen, was pro Person 25 Euro kosten würde.

So ein Schlafstrandkorb misst 1,30 mal 2,40 Meter. Taschenlampe und Handbesen gehören zur Grundausstattung. Da man im Korb schlecht seinen Rucksack oder Koffer verstauen kann, bietet sich eine Übernachtung am Strand an, wenn man sowieso seinen Urlaub auf der Insel verbringt und etwas Besonderes erleben möchte. Oder aber man reist mit leichtem Gepäck.

Schlafstrandkörbe gibt es in Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Noch mehr über Nächte am Strand könnt ihr bei Janett von Teilzeitreisender (Bensersiel) und Sarah von Niederrheinblond (Büsum) lesen.

Autor

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

13 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Avatar Kai sagt:

    Wird wohl nicht Deine letzte gewesen sein :-) Draußen sein ist einfach so unbeschreiblich. Können sich nur zu wenige vorstellen. Die schleppen dann lieber ihr Wohnmobil XXL mit ihrem ganzen Zuhausekram mit und klappen abends ihre sat-Schüssel auf. Den Schlafstrandkorb halte ich für die beste Erfindung, die der Tourismus in den letzten drei Jahren hervorgebracht hat und seitdem steht eine Übernachtung dort drin auf jeden Fall auf dem dem Programm. Unsere Kleine würds klasse finden.

    1. Avatar Elke Weiler sagt:

      Das kann gut sein! Und für Kinder muss das auch mega schön sein. In Utersum gibt es ja zwei Ufo-Körbe, da könnte also theoretisch eine drei- oder vierköpfige Familie unterkommen. So ganz allein fand ich es ein bisschen seltsam, aber auch besonders. Nächstes Mal würde ich dann den Mann mitnehmen! Wir haben es ja hier im Garten schon mal mit Zelten versucht, aber die Hunde waren völlig verwirrt! :-D Wie läuft es auf dem XXL-Roadtrip?

      1. Avatar Kai sagt:

        Unser Hund ist ein echter Travel-Köter, der macht alles mit. Schweren Herzens haben wir die arktische und subarktische Region verlassen und sind nun in Mittelschweden. Vielleicht noch mal Aland oder Gotland. Am Ende werden 13.000 km auf der Uhr stehen und ein mega dicker Notizblock und eine geflutete Seele voller unbeschreiblicher Begegnungen.

  2. Avatar Anja sagt:

    Liebe Elke, ich bin ja sooo Insta-faul geworden…..muss mich mal wieder drum kümmern damit man mitbekommt was du wieder für tolle Sachen machst ;)) ich habe schon davon gehört und ich würde das auch nur mit Karsten zusammen machen. Bestimmt super mit Sonnenuntergang und ne Flasche Wein. Hach…schon wieder Meerweh…..ganz liebe Grüße von uns an das gesamte Rudel : *

    1. Avatar Elke Weiler sagt:

      Liebe Anja, da geht es dir wie mir! Und hinzu kommt, dass ich kaum noch zum Bloggen komme, was schade ist! Zu zweit muss das da mega romantisch sein! Liebe Grüße von uns 9nen! :-)

  3. Avatar Johannes sagt:

    So eine Übernachtung klingt nach einer herrlichen Abwechslung zum standardmäßigen Urlauben in einem Hotel. Diese Art habe ich allerdings noch nicht getestet, aber der Reiz ist auf alle Fälle schon mal da. Vor allem durch deine Erzählung, wie es für dich war, gibt Anreiz dies einmal zu testen.
    Seit einigen Jahren verbringen wir unseren Urlaub in den Bergen, doch in naher Zukunft werden wir auf alle Fälle wieder Reisen ans Meer und in Städten bevorzugen.

    Vielen lieben Dank nochmals für deinen Bericht!

    Johannes

  4. Avatar Cathrin sagt:

    Eine verrückte Idee von Föhr-Tourismus und eine ganz andere Art, unsere Insel kennen zu lernen! Auf jeden Fall muss das Wetter stimmen, wie du auch schon richtig angemerkt hast. Aber auf Föhr gibt es ja so viele gemütliche Cafés und Restaurants, in denen man sich so richtig schön von innen und außen aufwärmen kann.
    Liebe Grüße aus Wyk!
    Cathrin

    1. Avatar Elke Weiler sagt:

      Ja, das ist nur was für die Saison. Aber diese Schlafstrandkörbe gibt es ja nicht nur auf Föhr, man kann sie an ganz unterschiedlichen Stellen an den Küsten austesten. Eine tolle Idee jedenfalls. Und für eine Nacht reicht das dann auch! :-) Liebe Grüße, Elke

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