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Die Sache mit den Erdbeeren

Von wegen Wasser! „Ich bestehe zur Hälfte aus Erdbeeren“, unkt der Mann. Dabei hat alles eher harmlos begonnen. In der Gärtnerei hatten wir ein paar zarte Erdbeerpflänzchen erstanden und im Hochbeet einquartiert. Wir freuten uns über jedes einzelne Früchtchen, das im darauffolgenden Sommer das Licht der Welt erblickte. Jede Erdbeere schmeckte besonders. Nach Sommerhitze, Sonnenuntergängen am Strand, Salsa und Erdbeer-Mojito.

Nach einem Jahr hatten die Pflanzen dermaßen expandiert, dass die Ableger über den Rand des Hochbeets in Richtung Erde wucherten. Wir sahen uns gezwungen, schnelle und wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Also siedelten wir die Baby-Erdbeeren auf der anderen Seite des Gartens auf Mini-Wällen im Boden an.

Die Sache erschien uns unbedenklich, doch wir hatten die Superpower der Marsch unterschätzt. Die Pflanzen wuchsen und gediehen, die ordentlichen Reihen mutierten zu unkontrolliertem Wildwuchs. Dschungel auf zwanzig Zentimetern Höhe, der reinste Erdbeerwald.

Schon im letzten Jahr ernteten wir an manchen Tagen mehr, also wir essen konnten und wollten. Doch in diesem Jahr gerieten wir ans Limit. Was tun? Verschenken? Im Straßenregal verkaufen? Natürlich liebe ich Erdbeeren sehr, doch die zwei Beete überforderten uns. Als wir keine frischen Erdbeeren mehr essen konnte, begann ich, die Früchte zu Marmelade zu verarbeiten.

Außerdem machte ich Eis und Sorbet. Der Mann wollte wissen, wieviel Zucker im Sorbet wäre. „Keiner“, antwortete ich unterkühlt. Ich schätze es nicht, wenn meine Kompetenz in Frage gestellt und durch überflüssige Zuckerfragen herabgewürdigt wird. „Unsere Erdbeeren sind süß genug!“ Tatsache.

Erdbeer-Sahneeis, Erdbeerpüree
Ménage-à-troi

Ok, das Sorbet war etwas hart, als ich es aus dem Kühlschrank holte. Aber wozu hatten wir eine Säge? Wir hockten vor dem Dessert Ménage-à-trois und warteten. Der Mann wurde ungeduldig, ich riet ihm zur Vorfreude. Gut, meinem ersten Erdbeersorbet fehlte es vielleicht an Leichtigkeit. Aber ich stand erst am Anfang einer Karriere als Eismacherin. Nach und nach würde ich ein wenig mit den Zutaten experimentieren. Am Anfang stand der nackte Purismus.

Erdbeere an Erde!

Das gefrorene Erdbeerpüree war trotz allem eine Wucht an heißen Tagen. Ebenso das Sahneeis. (Zutaten: Sahne, etwas Kondensmilch und natürlich Erdbeerpüree.) Zudem kann man das Püree bei Bedarf auftauen und anderweitig nutzen. Für Erdbeer-Mojitos etwa. Oder als klassische Soße. Bestimmt fällt uns mit der Zeit noch mehr ein.

Wir waren wieder guter Dinge. Im Garten kamen wir jedoch nicht drumherum, neuen Platz für die Triebe zu schaffen. Viel mehr Platz. Ohne an die kommenden Jahre zu denken, wurden wir jetzt sogar leichtsinnig und entschieden uns, weitere Sorten auszuprobieren. Vier neue Pflanzen. Waren wir von allen guten Geistern verlassen?

Die Neuankömmlinge hatten nichts Besseres vor, als wie verrückt Triebe auszusenden. Erdbeere an Erde, Erdbeere an Erde! Eines scheint so sicher wie das Amen in der Kirche: Im nächsten Jahr werden wir Saisonkräfte einstellen müssen, um die Erdbeer-Arbeit zu bewältigen. Alternativ könnte man in Erdbeer-Teilzeit gehen. Wer hätte geahnt, dass Nordfriesland sich als das Erdbeerland unter der Sonne entpuppt?

Sweet dreams are made of this.

Unerwartet kam Hilfe von anderer Seite: Die Hühner sind scharf auf Erdbeeren! Wir hoffen, dass sie nicht auf die Idee kommen, ins Beet zu hüpfen, wie sie es an anderer Stelle unbefugterweise praktiziert haben! Gewisse Höhenunterschiede zu überwinden, ist für pfiffige Hennen absolut kein Problem. Wozu hat man denn Flügel? Natürlich, um sich neue Futterquellen sowie Aussichtspunkte zu erschließen.

Zuletzt konnten wir beobachten, wie sich Hafrún an den noch nicht ganz reifen Kirschen des dreijährigen Baums zu schaffen machte. Bitte, wir haben die Süßkirschen selber noch nicht probiert! Es ist das erste Mal, dass der kleine Baum Früchte trägt. Ob es hilft, wenn wir die Hennen mit Erdbeeren bestechen?

Hühnerhilfe

Je tiefer wir in die Materie einsteigen, umso bewusster wird uns: Landwirtschaft ist ein harter Job. Das Wetter ist nie optimal, und es gibt viele Mitesser. Die körperliche Arbeit erspart Fitnessstudio, Yoga-Kurs und NIA. Das weiß ich spätestens, seitdem ich im Frühjahr den Chicken Hill vom Reet befreit habe. Was die Erdbeeren angeht, da gibt es immer noch welche. Doch sie werden kleiner, die Sonne fehlt in den letzten Tagen, und der Regen hat sie teilweise zum Schimmeln gebracht.

Gestern Abend kam mir Brynja erfreut gackernd entgegen. Sie wollte ihr Betthupferl, frisch gezupfte Früchte. Ich fand genug, auch Hafrún und Gudny freuten sich über die kleine Erdbeersause. Doch nach ein paar Beeren verlor man hühnerseits rasch das Interesse.

Inzwischen sind sogar wir in den Genuss eigener Süßkirschen gekommen! Leider hat den wenigen Exemplaren unserer beiden Bäumchen ebenfalls der Regen zugesetzt, einige sind aufgeplatzt. Die Sauerkirschbäume stehen leicht verschattet und brauchen noch ein Weilchen, bis wir ihre Früchte ernten und ein wunderbares Clafoutis aux cerises daraus machen können.

In diesem Jahr müssen wir wohl etwas geduldiger sein. Jedenfalls ist die Erdbeersaison in unserem Garten zu Ende gegangen, der Großteil gegessen oder zu Eis, Sorbet und Marmelade verarbeitet. Und im nächsten Sommer steigen wir ins Erdbeerbusiness ein, das ist klar wie die nordfriesische Luft an sonnigen Tagen. Strawberry fields forever.

Text und Fotos: Elke Weiler

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6 Gedanken zu „Die Sache mit den Erdbeeren“

  1. Vielen Dank für die vielen Lacher! Am schrägsten finde ich das Bild, wie Sorbet mit einer Säge zerteilt wird.

    Liebe Grüße und einen feinen Samstagabend!

  2. So viele leckere Erdbeeren aus eigenem Anbau! Ich muss leider alle im Supermarkt kaufen, aber Erdbeeren sind eine Delikatesse.

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