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Spanien à la carte

Palafrugell, Cami de Ronda

Hijo de la luna… Man sollte öfters einen Artikel mit einem Lied beginnen. Ich habe den Song aus den 80ern von Mecano von meinem ersten längeren Aufenthalt in Spanien mitgenommen. Zwar hatte ich schon als Kind mit meinen Eltern Urlaub in Spanien gemacht, doch die sechs Wochen in der Nähe von Santander auf dem kantabrischen Land gestalteten sich anders, habe ich doch mit Einheimischen zusammengelebt. Nach dem Abitur bin ich mit einer Freundin und ihrer Familie zu deren nordspanischen Verwandten gereist.

Ich weiß noch, dass es nicht sonderlich gut angesehen war, sich tagsüber zum Lesen aufs Bett zu legen. Ich weiß aber nicht mehr, was ich damals gelesen habe. Manchmal langweilte ich mich, während Mari immer etwas zu tun hatte. Zum Beispiel den Tanten die Nägel zu lackieren. Vor allem aber weiß ich, wie gut die Tortilla geschmeckt hat. Auf jeden Fall haben Maris Tanten wohl eine der besten Tortillas überhaupt gemacht.

Zwar hatte ich Spanisch an der Schule gelernt, doch lief die Unterhaltung anfangs nicht gerade flüssig, was mich zu einer Art Randfigur machte. Erst gegen Ende des Aufenthalts fühlte ich mich wohler, verstand und sprach viel besser. Und ich brachte Musik und viele Erinnerungen mit nach Hause. Mari und ich besuchten ein Open-Air-Konzert von Mecano sowie diverse Dorffeste. Auf einem lernten wir einen Trupp lebenslustiger Andalusier kennen, ich schrieb noch eine Weile mit Antonio aus Sevilla. Erst später lernte ich die Sevillanas kennen, als ich während einer Andalusienreise einen Schnupperkurs in Cádiz belegen konnte.

Zwei Worte zum Stierkampf

Irgendwann nahm Maris Familie mich mit nach Santander auf eine Corrida. Ich heulte, während um mich herum alle tobten. Gehört der Stierkampf zu Spanien? Viele Spanier wehren sich dagegen, doch es gibt immer noch genügend Anhänger. 2013 hat die spanische Regierung die Corrida als immaterielles Kulturgut unter Schutz gestellt und damit das in Katalonien verhängte Verbot wieder aufgehoben. Doch neben Katalonien gibt es noch andere Regionen, die sich gegen die Corrida entschieden haben.

Meine spanische Musikauswahl ist nicht längst mehr von Mecano bestimmt, zumal Anfang der 90er Jahre Héroes del Silencio mit „Entre dos tierras“ die Tanzflächen eroberten. In den Nullerjahren machte sich die meist aus dem multikulturell geprägten Barcelona stammende Mestizo-Musik breit. Allen voran Manu Chao, eigentlich Franzose, dessen spanische Eltern vor dem Franco-Regime nach Paris geflohen waren. Meine spanische Playlist wird daher von Weltmusik dominiert: Amparanoia, Jarabe de Palo, Huecco, Macaco u.a. Man möge mir verzeihen, dass sie nicht das gesamte Spektrum spanischer Klänge widerspiegelt. Dafür ist sie ausgesprochen tanzbar.

Die erste eigene Tortilla

Vor ein paar Jahren war ich wieder in Katalonien und habe einen Ort meiner Kindheit neu kennengelernt: die Costa Brava. Die Leidenschaft für eine gute Tortilla hat mich nie verlassen. Bei jenem Aufenthalt konnte ich einen kleinen Kochkurs in Girona belegen. Das Rezept für die Tortilla, die ich Zuhause nachgebacken habe, findet ihr im Girona-Artikel. Leider existiert das Kochstudio in Girona nicht mehr, wie mir die in Katalonien lebende Nicole vom Blog Freibeuter Reisen berichtete. Nicole hat tolle Bücher verfasst und führt als Insiderin in die Region, zum Beispiel mit „Glücksorte in Barcelona“ und mit dem „Reisehandbuch für die Costa Brava und Girona„. Aktuell begebe ich mich auf die Suche nach einem Roman und lese die ersten Seiten von Domingo Villars „Strand der Ertrunkenen“.

In den Gassen von Pals, Katalonien
Vor ein paar Jahren in Pals

Bei den Filmtipps bin ich besser gerüstet, vielleicht werden Filmemacher:innen in Spanien stärker gefördert als Schriftsteller:innen? An Pedro Almodóvar kommt man jedenfalls nicht vorbei. Ich habe einige seiner Filme gesehen und möchte hier besonders „High Heels“ aus den 90er Jahren mit einem fantastischen Miguel Bosé als Kunstfigur „Femme Letal“ erwähnen, der gegen Ende des Films die Rolle wechselt und sich als Retter und Richter im wahren Leben entpuppt.

Filme, Filme, Filme

Nicht zu vergessen auch der großartige Javier Bardem in seiner vermutlich großartigsten Rolle: „Mar adentro“. „Das Meer in mir“ greift das Thema Sterbehilfe von einem wahren Fall auf. Ein Fischer ist nach einen Sprung ins flache Wasser ab dem Hals gelähmt. Bardems ganzes Können offenbart sich im mimischen Spiel des Gelähmten, das auch in dieser Reduzierung voller Intensität ist.

Ich weiß nicht, in wie vielen Filmen Javier Bardem inzwischen gespielt hat, möchte aber noch einen erwähnen, der mir besonders gut gefallen hat: „Los lunes al sol“ – Montags in der Sonne. Vier entlassene Werftarbeiter von der Küste Galiziens treffen sich regelmäßig, gehen gemeinsam zum Arbeitsamt oder in die Kneipe. In der Tragikomödie geht es um ihre Freundschaft und Solidarität als Rettungsanker in schwierigen Zeiten.

„Los amantes del circulo polar“ (Die Liebenden des Polarkreises) war eine Zeit lang mein Lieblingsfilm, den ich mehrfach und auch im Original gesehen hatte. Wie der Titel schon suggeriert, handelt es sich um eine Liebesgeschichte. Zwei junge Menschen, die sich verloren haben und jahrelang suchen. Die Dinge sagen wie „Ich habe meine Zufälle aufgebraucht.“ Finnland mit dem Polarkreis ist Sehnsuchtsziel, Neuanfang und Ende zugleich, der ewige Kreislauf des Lebens.

Zu guter Letzt möchte ich euch den spanischen Netflix-Film „Adú“ ans Herz legen. Ein kleiner Junge muss aus seiner Heimat Kamerun fliehen und eine weite Reise antrteten. Adú verliert unterwegs alles, ist dem Tod nahe und überlebt doch. Es geht auch um eine Grenze, die im Grunde nicht die zwischen zwei Ländern ist, sondern zwischen zwei Welten. Und um ein Europa, das menschlich sein möchte, und doch scheitert.

Text und Fotos: Elke Weiler

Mehr über Spanien lesen: Sevilla mit Sonnenschirm – über den Metropol Parasol. Dorfgeschichten in Katalonien: Cadaqués. Kochen wie die Einheimischen in San Sebastián. Bauklötze staunen in Bilbao: das Guggenheim Museum. Über einen Vormittag in El Raval, Barcelona. Die besten Churros von Madrid.

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Elke

Meerbloggerin, Buchautorin und Journalistin. Hat Kunstgeschichte u.a. in Rom studiert, als Redakteurin bei Burda gearbeitet, aber die meiste Zeit als freie Reisejournalistin. Aktuell lebt die Rheinländerin an der Nordsee, bloggt und schreibt an den nächsten Büchern.

  1. Kai says:

    Memories…. Ich war vor Jahren beruflich in Spanien, in Alicante, Valencia. Das war im Februar und die Spanier hatten gerade mal wieder eine Woche Party. Mittags und Mitternacht gab es Feuerwerk, dass der Boden bebte. Übernachtet habe ich mit meinem spanischen Kollegen gleich gegenüber der Stierkampfarena. Mit im Hotel die Stierkämpfer. Aber im Verlauf der Stierkämpfe wurden immer mal wieder Zimmer frei. Auch Stiere können sich wehren. Mitleid hatte ich nicht.

    Am frühen Nachmittag auf den Straßen kleine Fernseher und davor zwei drei vier Menschen, die den Stierkampf verfolgten. Diskutieren braucht man Stierkampf nicht. Aber Spanier wissen auch, wie man Schinken macht. Besseren Schinken als den dort angebotenen kenne ich nicht.

    Abends gab es draußen Paella in Pfannen mit Durchmessern von bald zwei Metern. Mein Kollege schien jeden in Valenica zu kennen, jede Nacht wurden wir eingeladen. Selbst um Mitternacht wurden uns Menüs zubereitet, ob wir wollten oder nicht. Wenn irgendwo geschlossene Gesellschaft war, hat José so lange verhandelt bis wir genervt durchgelassen wurden.

    Am anderen Morgen in einem der kleinen Cafés gab es kleine süße Stücke und einen Pott Kaffee, der auch Spuren von Wasser enthalten konnte. Mittags in einem der Fischlokale Spezialitäten, die man kaum zuordnen konnte und auch nicht unbedingt wollte- aber sie schmeckten.

    Und wenn es in ein Straßenlokal ging, dann gab es alles mögliche- aber immer mit ordentlich Safran. Dazu Orangensaft, wie ich ihn nie zuvor und nie wieder danach getrunken habe.

    Kurz vor dem Rückflug noch ein paar Puppen aus Alicante gekauft, sie sind so berühmt wie bei uns Käthe Kruse. Dafür hatte ich einen Koffer voll Vorbestellungen:-)

    Nach drei Wochen war unsere Arbeit erledigt, unsere typisch deutsche Arbeitsweise schon lobend an die deutsche Geschäftsführung übermittelt und wir urlaubsreif von Arbeit und Party auf dem Weg zurück.

    Schön war die Zeit. Und bei dem Gedanken bin ich dankbar, so irrsinnig dankbar, dass wir ein halbwegs geeintes, ein offenen Europa haben, offene Grenzen. Dumm, wer nicht dazu gehören will. Europa ist so reich an Facetten. Und die lernt man am besten In Begegnungen quer durch alle Länder. Ja, das vermisse ich gerade sehr, das Reisen, das Begegnen. Um so mehr freue ich mich darauf. Und vielleicht wird es irgendwann mal wieder Spanien.

    1. Elke says:

      Wow, tolle Erinnerungen, lieber Kai! Hast du Horchata in Valencia probiert? So lecker! Gestern habe ich zufällig noch mal einen Film von Julio Medem gesehen, da wurde zufällig die Paella als Spezialität von Valencia erwähnt. :-) Als Kind war ich kein Fan von Paella, aber inzwischen liebe ich sie. Wir machen manchmal selber welche und haben festgestellt, dass sie auch vegetarisch schmeckt.Den Eindruck, dass man in Spanien wirklich gut feiern kann, habe ich auch! :-) Vor allem im Süden. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und alles Gute für eure Umzugs-Vorbereitungen! Sehr aufregend! Liebe Grüße, Elke

      1. Kai says:

        Zugegeben, Horchata kenne ich aus Deiner alten Heimat, sozusagen aus Spanien für Einsteiger. Unbedingt an dieser Stelle zu empfehlen: Das Spanische Viertel in Düsseldorf.

        Paella scheint es ja in tausend Varianten zu geben, vornehmlich haben wir es mit Muscheln oder Huhn gegessen, Hauptsache eben mit Safran. Und immer lag eine Languste oben auf.

        aber eine ganz andere Begegnung ist mir noch eingefallen: An einem Sonntagmorgen war ich alleine am Strand. Dort war eine schwar gekleidete Frau, offensichlich mit ihrem Sohn. Im Wind überließ sie die Asche aus der Urne dem Meer. Ein sehr berührender und stiller Moment im trubeligen Valencia.

        Ja, die ersten Umzugsvorbereitungen laufen, möglichst viel verkaufen wir. Noch weniger als drei Monate- unvorstellbar.

        Euch einen tollen Start in diese Woche.
        Lieber Gruß
        Kai

        1. Elke says:

          Horchata hab ich in Düssi nie gekriegt! Aber ich kenne ja auch kein Spanisches Viertel dort. Falls du die Schneider-Wibbel-Gasse meinst: Ok, da sind ein paar Lokale nebeneinander, und es duftet fast wie in Spanien. :-)

          Toitoitoi für euch! Ihr seid mein Vorbild!

          Liebe Grüße,

          Elke

  2. Gudrun says:

    Ich mache ein Geständnis: Ich war noch nie in Spanien.
    Ich war auf Mallorca, Gran Canaria und Teneriffa, aber ich habe noch nie Festlandluft geschnuppert. Aber mein Mitbewohner erzählt mir ständig von einer einzigartigen Spanien-Reise mit netter Begleitung, wo Unmengen von spanischen Delikatessen verspeist werden mussten. Von dieser Reise haben wir sogar noch Salz mit Oliven gehortet…

    1. Elke says:

      Oh ja! In Spanien (das trifft ja auf Frankreich und Italien ebenso zu) muss man immer sehr viel essen. :-D Salz mit Oliven? Sind die dann geschrumpft? Interessant. Wir haben noch Salzzitronen, allerdings nicht selber aus Marokko mitgebracht. Freu mich schon auf die Verarbeitung, weiß nur nicht, wie… Und später mal treffen wir uns auf dem spanischen Festland und besuchen die Nicole. ;-)

  3. Ingrid says:

    Ich war auch schon viele Male in Spanien, Festland sowie auf den Balearen. Diese Urlaube waren immer schön, Sonne,Strand und Meer, die Spanische Küche kennengelernt, vor allen Dingen einer meiner Lieblingsspeisen Tortilla, die ich bei meinem ersten Urlaub in Tossa der Mar an der Costa Brava genießen konnte.

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