Hunde Nordfriesland

Nebel am Morgen

Irgendwie hatte der Herr Winter sich vom Acker gemacht, ohne eine ordentliche Abschiedsvorstellung zu geben wie im letzten Jahr. Stattdessen Vorfrühling. Unsere Morgen waren voller Nebel, so dass man die Möwe in der Luft nicht erkennen konnte. Wohl aber hören. Die Geräusche inmitten bodenkriechender Wolken waren intensiv.

Als visueller Hund stand ich auf flotte Piepmätze, die überm Deich kreisten. Man konnte sich prima in Sachen Schnelligkeit messen! Während Janni, der angebliche Foodblogger, lieber den Duft von Hasenspuren einsog. Dabei hätte ich ein bisschen Unterstützung bei meiner Aktion „Clean the sky“ gebrauchen können.

Nebel am Deich
Hide and seek.

Monsieur hingegen guckte ständig auf den Boden und widmete sich lieber dem Deich-Cleaning als seinem Rudel. Da kannst du ihm hundertmal erklären, dass es beim Gassi um Quality-Time geht! Nebelschwaden zogen über die Wiese, nur der Himmel war blau. Ich verlor mich im Grau, konnte mich jedoch 1A an den Geräuschen orientieren.

Madame meckerte, weil die Blechhöhlen von der weiter entfernten Straße ihr plötzlich zu laut erschienen. Lutscherprobleme! Beim Mittagsgassi in Stufi hörten wir nichts, außer den Wattgeräuschen und den üblichen Zwitscher-Verdächtigen. Der Nebel war verschwunden, doch mein Verdacht ging dahin, dass wir am nächsten Tag wieder gemeinsam den Morgen begrüßen würden.

Bearded Collie Porträt
Entdeckernatur

Als Hund von Welt liebte ich die Abwechslung. Neues Terrain, neue Lutscher, neue Vierbeiner. Doch an den Spätwintertagen trafen wir höchstens mal einen Hasen. Madame machte in der Nähe unserer Fenne eine einsame Schafsmutter mit Kind aus und wollte sie adoptieren. Mir erschien das voll korrekt, doch Janni flippte aus.

Als konservativer Typ wollte er auf keinen Fall den Ist-Zustand verändern. Madame und ich tickten gleich. Solange sie mir kein Lama vor die Nase setzte! Ginge es nach ihr, wären wir schon längst zur Arche verkommen. Monsieur hingegen fütterte eifrig die Piepmätze, die, hochgradig gepampert und in bester Stimmung, dazu neigten, mir auf dem Kopf herum zu tanzen.

Plüsch-Rentier Yma
Die finnische Rentierdame Yma

Im übrigen hatte er sich auf Gackervieh fixiert, allerdings noch keinerlei Maßnahmen zur Realisierung seines Projekts getroffen. Ich träumte ja immer davon, die Housekeepingstelle wieder zu besetzen. Intuitiv wusste ich, dass unser Mats nicht von seiner Weltreise zurückkehren würde.

Ich konnte es ihm nicht verdenken, denn die Welt war groß und schön, hatte ich doch einen Teil davon gemeinsam mit Madame erkunden dürfen. Der Roadtrip mit Emilia! Na ja, die Blechkiste war ziemlich laut unterwegs, aber sonst ganz patent und meistens zuverlässig. Wenn Janni nicht dabei war, konnte ich mich auf das Wesentliche konzentrieren und leben. Einfach leben.

Besties

Und die Nähe zu Madame. Das war das Beste an Roadtrips. Wir zwei. Man wuchs quasi zusammen. Ich sprach mich also für eine Scandi-Reloaded-Tour aus. Auch konnte unsereins von dänischen Hundewäldern nie genug kriegen, der besten Erfindung seit es Wälder gab. Überhaupt Dänemark mit seinen Hot Dogs und seinen Stränden!

Unsere Homebase hatte sich im letzten Sommer stark gefüllt. Wenn die Lutscher Sonne sehen, sind sie nicht mehr zu halten und laufen in Scharen ans Meer. Dabei wissen wir doch, dass es bei uns immer schön ist. Immer. Also meistens ist es immer schön.

Bearded Collie am Strand
Hasenhüpfer-Modus

Vor allem jetzt. Als wir gestern Mittag auf dem Deich standen, schaute Madame mich verzückt an, hob die Nase, schnupperte und schnupperte. „Das Meer!“ Natürlich war es gerade mal wieder nicht vorhanden, dieses tolle Meer. Aber sie konnte es riechen, auch wenn ihre Lutschernase sie etwas einschränkte.

„Wenn man das Meer wieder riecht, wird es Frühling“, meinte sie klugscheißerisch, diese Sommerverliebte. Vorfrühling! Auf den Winter konnte man sich nicht mehr verlassen, dachte ich nur. Der Sommer gewann die Oberhand. Für richtigen Schnee reiste Madame eigens nach Nordnorwegen, und was brachte sie ihrem Liebling mit? Nicht ein Fitzelchen davon! Nur Kekse. Und die hatte Monsieur fast alle allein verputzt.

Schneeglöckchen
Eindeutig Vorfrühling.

Text: Julchen (nach Diktat dem Janni eins übergebraten. Darf der sich überhaupt noch Kolumnist nennen?)

Fotos: Elke Weiler

Autor

Ein pfiffiger Hund mit leichtem Hang zum Drama. Julchen liebt weite Sandstrände und professionelle Buddelarbeiten. Einst mit Emil verlobt, einem Schapendoes aus Nordfriesland, ist Julchen zur Zeit wieder ungebunden. Neben dem Job als Ressortleiterin Kolumne bei Meerblog arbeitet sie an ihrem dritten Buch. Ein Krimi!

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